Gerhard Hauck: Gesellschaft und Staat in Afrika

Von Gerhard Pfeisinger ·

Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt/Main 2001, 319 Seiten, € 24,50.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der „Spagat zwischen allgemeiner sozialwissenschaftlicher Theorie und afrikakundlicher historischer Empirie“ gelingt Gerhard Hauck sehr überzeugend. In zahlreichen Fallstudien zeigt er sowohl die Vielfalt an unterschiedlichen historischen Erfahrungen und Ausprägungen als auch die Wirkungen der kolonialen Institutionen und die aktuellen Einflüsse der Weltwirtschaft auf die afrikanischen Gesellschaften auf.
Im Zentrum steht die wissenschaftlich anspruchsvolle, aber durchaus leicht nachvollziehbare Auseinandersetzung mit den Theorien der Staatswerdung, über Kapitalismus und Kolonialismus, die „Nationswerdung“ der postkolonialen Staaten und den Entwicklungstheorien. Beachtlich ist nicht nur die Darstellung, wie die spezifischen Probleme Afrikas in der sozialwissenschaftlichen Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung behandelt werden, sondern auch die Breite der historischen Erzählung.
Haucks Blick auf die historischen Kontinuitäten und Diskontinuitäten, auf die Ungleichzeitigkeiten und Ungleichheiten reicht von den „Gesellschaften ohne Staat“ (Nuer im Sudan, Somali) über die vorkolonialen Staaten des „afrikanischen Mittelalters“ (Mali am Niger, Munhumutapa am Sambesi), über die verschiedenen Prägungen der englischen, französischen und deutschen Kolonialherrschaft bis zu den postkolionialen Entwicklungssträngen am Beispiel von Nigeria, Kenia, Tansania und Ghana.
Am Beispiel von Nigeria macht Hauck für die fehlende Entwicklung im subsaharischen Afrika sowohl interne wie externe Faktoren verantwortlich. Intern ist es ein Gesellschaftsmodell, in dem wirtschaftliche Aktivitäten gänzlich von staatlichen Privilegien abhängig sind („Pfründenkapitalismus“), und extern ist es ein Weltwirtschaftssystem, das bis heute zum Abfluss statt zum Zufluss von Kapital führt – ein Transfer, den der Autor äußerst einprägsam darstellt. Eine Lösung sieht Hauck in der gleichzeitigen Durchsetzung der Trennung von Staat und Wirtschaft im Inneren und einer Erhöhung des Kapitalzuflusses von außen, die aber, um auch die Armut bekämpfen zu können, zu einer Stärkung der Massennachfrage führen muss.
Ein überaus anregendes „Theorie“-Buch, das Afrika wieder einmal in das wissenschaftliche Bewusstsein rückt und zum Weiterdenken und Weiterhandeln einlädt.

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