Gesundheit in Gefahr: Was uns krank macht

Von Irmgard Kirchner ·

Jogging im Smog

Wir brauchen eine Bewegung für öffentliche Gesundheitspflege im 21. Jahrhundert“, fordert David Swift im Einleitungsartikel der folgenden „Thema“-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift „New Internationalist“ aus Oxford übernommen haben.
Vor über 20 Jahren schien das Ziel „Gesundheit für alle im Jahr 2000“ erreichbar. Der Geschichte dieser „trügerischen Verheißung“ geht David Werner auf den Seiten 29 und 30 nach. Heute hungern mehr Kinder als je zuvor. Gesundheitspolitik werde wirtschaftlichen Interessen untergeordnet, Gesundheit sei kein Menschrecht mehr, kritisiert der renommierte Arzt, dessen Handbuch „Wo es keinen Arzt gibt“ weltbekannt ist.

Die öffentliche Gesundheitspflege in der Dritten Welt ist geprägt vom Mangel. Dabei drohen auch dort neue Gesundheitsgefahren: Chronische Krankheiten wie Krebs, Kreislauferkrankungen, Diabetes lösen als Killer die Infektionskrankheiten ab. Dazu kommen noch Gefährdungen mit globalen Ursachen, wie Schädigungen durch UV-Strahlung als Folge des Ozonlochs.
Geht es um die Länder des Südens, wird Gesundheit zu Recht als Produkt der allgemeinen Lebensbedingungen (wie sauberes Trinkwasser, ausreichende Ernährung, Bildung, Transportmöglichkeiten …) gesehen, und zu Recht wird die Politik in die Pflicht genommen.

Die BürgerInnen der Industriestaaten hingegen scheinen im Wellness-Zeitalter fast vergessen zu haben, dass Gesundheit und Wohlbefinden nicht nur eine Frage des richtigen Fitnesstrainers und des persönlichen Lebensstils sind. Auch noch so diszipliniertes Joggen im Smog wird insgesamt seine gesundheitsfördernde Wirkung verfehlen. Stimmen die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht, ist die gesunde Anstrengung vergeblich.
In den Industriestaaten wurde in der Vergangenheit viel an öffentlicher Gesundheitspflege erkämpft. Doch auch hier drohen neue Gefahren, denen mehr als die Eigenverantwortung des Einzelnen entgegengesetzt werden muss.

Ganz aktuell: die Rinderseuche BSE. Eine Gesundheitspolitik, die ihren Namen wirklich verdient, muss unverzüglich ein Verbot der industriellen Massentierhaltung aussprechen.
Das wird nicht geschehen, meinen Sie? Genau deshalb ist die Forderung unseres Kollegen vom „New Internationalist“ so berechtigt: Wir brauchen eine Bewegung für öffentliche Gesundheitspflege im 21. Jahrhundert!


Die Artikel dieses Themas wurden zuerst im Monatsmagazin „New Internationalist“ (Ausgabe Jan./Feb. 2001) veröffentlicht. Wir danken den KollegInnen in Oxford für die gute Zusammenarbeit. Der „New Internationalist“ kann unter der Adresse P.O.Box 79, Hertford, SG141AQ, U.K., bezogen werden (Jahresabonnement: 26,85 Pfund; Telefon 0044/171/82 28 99). Redaktionelle Bearbeitung und Kürzung der Artikel: Irmgard Kirchner. Übersetzung: Robert Poth.

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