Gewalt gegen Frauen in Südostasien und China. Rechtslage, Umgang, Lösungsansätze

Genia Findeisen, Kristina Großmann (Hg.)

Sachbuch. regiospectra Verlag, Berlin 2013, 244 Seiten, Euro 19,90

In China gibt es praktisch keine Frauenhäuser – sie werden von der Öffentlichkeit als Symbol der Schande wahrgenommen. Schande, weil häusliche Gewalt Privatangelegenheit ist und nicht, weil Frauenhäuser als Ausdruck von Mangel im zwischenmenschlichen Miteinander überhaupt notwendig sind.

Die AutorInnen dieses Buches setzen sich speziell mit der Lage von Frauen in Südostasien und China und der an ihnen ausgeübten häuslichen Gewalt auseinander. Körperliche, psychische, sexuelle und ökonomische Gewalt gegen Frauen ist eine der am häufigsten vorkommenden Verletzungen der Menschenrechte. In der Erklärung der Menschenrechte von 1948 ist die Gleichstellung der Geschlechter festgeschrieben. Diese ist aber juristisch nicht bindend, und es gibt auch keine Gewalt, welche die Einhaltung der Menschenrechte überall auf der Welt durchsetzen könnte. Es hängt schlussendlich von den jeweiligen Staaten selbst ab, ob und wie sie befolgt ­werden.

Nach den Erfahrungsberichten der AutorInnen werden in Südostasien und China die oftmals unter Druck unterzeichneten Gesetze zum Schutz von Frauen nur schleppend umgesetzt. Das Buch geht vor allem der Frage nach, welche Gründe es hierfür geben kann. Das führt die AutorInnen zur Auseinandersetzung mit politischen Zielen, gesellschaftlichen Werten und religiösen Normen in der jeweiligen Gesellschaft. Krieg und Armut erschweren in vielen Fällen zusätzlich ein Ausbrechen der Männer und Frauen aus ihren Rollen.

Fazit: Notwendig ist die Implementierung von Gesetzen, eine regelmäßige Evaluierung der Lage, finanzielle Unterstützung von Maßnahmen zur Gleichberechtigung und die Aufklärung der Gesellschaft. Ebenso wichtig sind Opferschutzprogramme, die den Anforderungen der Frauen entsprechen, und die Einbeziehung der Männer. Nur durch ein Umdenken der Gesellschaft, in der Sprichwörter wie „Je öfter dein Mann dich schlägt, desto mehr liebt er dich“ (Sprichwort in Burma) nicht mehr gebräuchlich sind, kann ein gewaltfreier Umgang zwischen den Geschlechtern stattfinden.
Christine Kohlmayr

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