Gioconda Belli: Die Verteidigung des Glücks

Von Monika Kalcsics ·

Gioconda Belli: Die Verteidigung des Glücks. Erinnerungen an Liebe und Krieg.
Carl Hanser Verlag, München 2001,
414 Seiten, öS 336,–

Das Erscheinen des vorliegenden Buches konnte ich zunächst nicht verstehen: Warum muss die nicaraguensische Lyrikerin und Romanautorin Gioconda Belli – einem breiten europäischen Publikum seit ihrem ersten Roman ”Bewohnte Frau“ (1991) bekannt – mit gut fünfzig Jahren bereits eine Biographie vorlegen? Fällt ihr nichts mehr ein? Nach ein paar Kapiteln Lektüre wurde ich eines Besseren belehrt: Diese Autobiographie handelt nicht von lieblichen, belanglosen Erinnerungen einer wohl behüteten Tochter aus Nicaraguas Oberschicht, sondern gibt uns einen profunden Einblick in die Geschichte der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN).

Gioconda Belli wird schon früh, Anfang der siebziger Jahre, Mitglied der Bewegung gegen die Diktatur Somozas. In 57 – nicht streng chronologisch gereihten – Kapiteln schildert die Autorin zunächst ihr Doppelleben als Frau eines bürgerlichen Gatten und Agentin des Widerstands, bevor sie sich ganz auf der Seite der Revolutionäre findet und Spitzenpositionen innerhalb der FSLN bekleidet.

Belli überraschte mich ein weiteres Mal: Man kann das Buch tatsächlich als die Geschichte der FSLN lesen, denn die subjektive Sicht der Autorin ist nicht verklärt und ichbezogen, sondern geprägt von einer kritischen Distanz, die Fehlentwicklungen und Korrumpierungen aufzeigt.

Heute hat sich Belli aus dem politischen Alltag weitgehend zurückgezogen und lebt mit ihrem dritten Ehemann, einem USamerikanischen Journalisten und Filmemacher, in Los Angeles und Managua. Glaubwürdig – und interessant – sind daher auch ihre gesellschaftspolitischen Vergleiche zwischen Zentral- und Nordamerika. Auf zum Buchladen!

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