Global Fair Trade. Transparenz im Welthandel

Georgios Zervas

Von Werner Hörtner
Verlag Patmos, Düsseldorf 2008, 188 Seiten, € 18,50

Der in Griechenland geborene und in Deutschland lebende Autor beschäftigt sich schon seit langem mit der Frage des Weges zu einem gerechten Wohlstand für alle, mit einer ethisch gestalteten Globalisierung, dem „Global Fair Trade-System“(GFT). Er stellt in dem vorliegenden Buch die Grundlagen dieses Systems genau dar. Um daran teilzunehmen, muss ein mit der EU Handel treibendes Unternehmen ein Global Fair Trade-Zertifikat erwerben, dessen Konzept ebenfalls genau vorgestellt wird.
Der Schlüssel zum Global Fair Trade-System liegt für Zervas in der Wettbewerbsneutralität: Für alle Unternehmen sollen weltweit dieselben Kernstandards in sozialer und ökologischer Hinsicht gelten. Zervas schlägt dabei die Standards der Managmentsysteme ISO 14001 (Umwelt) und SA 8000 (Soziales) vor. Da von der WTO eine derartige Maßnahme nicht zu erwarten ist, soll die EU eigenständig damit beginnen. Etwa mit einer Verordnung, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt alle Produkte, die in die EU eingeführt werden, ein GFT-Zertifikat benötigen. Internationale Zertifizierungsunternehmen sollen dann im Namen der EU für die Einhaltung der vorgegebenen Standards sorgen.
Da sich SA 8000 und ISO 14001 auf die gesamte Produktions- und Wertschöpfungskette beziehen, könnte sich auf diese Weise ein globales faires Welthandelssystem durchsetzen. Offene Grenzen für den Handelsverkehr (das Ziel der so genannten Doha-Runde der WTO) stellen noch keine Lösung dar; es bedarf rechtlich verbindlicher Regeln für die Unternehmen, so der Autor. Zervas schreibt der EU bei diesem Prozess eine Vorreiterrolle zu und er ist auch optimistisch, dass die Union die nötige Transformationskraft besitzt. Er gibt jedoch selbst zu, dass sie in der Praxis noch weit von ihren eigenen Postulaten der „gleichen Regeln“ und „gleichen Ausgangsbedingungen“ im Welthandel entfernt ist.
Wenn sich in der EU der politische Wille durchsetzt, der Umsetzung weltweiter ökosozialer Standards den Vorrang zu geben gegenüber den Partikularinteressen der Konzerne, dann ist der von Georgios Zervas detailliert ausgearbeitete Weg zum Global Fair Trade-System zweifellos eine praktikable Möglichkeit zu einer epochalen Transformation.

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