Heißer Frühling

Von Ruth Papacek ·

Sahar Khalifa

Roman. Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Unionsverlag, Zürich 2010, 288 Seiten, € 10,20

Das palästinensische Flüchtlingslager Ain Murdschan bildet den Ausgangspunkt für diese Familiengeschichte, die über das Schicksal der beiden Söhne Madschid und Ahmed berichtet. Während Madschid als Sänger Karriere machen möchte, zeichnet Ahmed für sein Leben gern. Trotz des Konfliktes mit Israel scheinen beide eine „sichere“ Zukunft zu haben, bis etwas passiert, das sie von ihrem ursprünglichen Weg abbringt. Ahmed wird eines terroristischen Anschlags verdächtigt und kommt ins Gefängnis – dort wird aus dem schüchternen sensiblen Jungen ein Mann, der zum Glauben findet und schlussendlich an seiner Realität verzweifelt. Madschid wird eines Mordes bezichtigt, den er nicht begangen hat, so dass er zu den Kämpfern in die Berge flüchtet und zu einem Teil der Organisation wird. Durch diese Ereignisse geprägt, schlagen die beiden einen Lebensweg ein, der sie in entgegengesetzte Richtungen führt. Die Träume der Jugend sind der harten und bitteren Realität gewichen. Ahmed hat die Schule nicht abgeschlossen und arbeitet als Sanitäter, Madschid wird vom Kämpfer zum oberflächlichen Politiker. Während ihre Umwelt versucht, sie von ihrem Scheitern abzuhalten, vermögen sie es doch nicht zu verhindern.

Eindringlich und spannend schildert Sahar Khalifa das Leben der beiden Söhne, dringt in ihre unterschiedlichen Perspektiven ein und vermittelt das Bild innerer Konflikte. Zerrissen zwischen dem, was sie wissen, und dem, was sie glauben zu wissen, finden sie ihre eigene Orientierung im Leben. Für diesen Roman griff die Autorin auf die Tagebuchaufzeichnungen des Presseberaters von Jassir Arafat zurück, der darin seine Eindrücke der Belagerung des Amtssitzes in Ramallah mitteilt. Ebenso führte sie viele Gespräche mit Frauen aus Nablus, denen sie dieses Buch gewidmet hat.

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