Her mit der Konserve

Keine Liveauftritte heißt umso mehr sich auf Alben stürzen und Konzerte nachhören.

Wohnzimmerkonzerte sind nett, bringen aber keine Lösung für viele finanzielle Probleme für KünstlerInnen (und VeranstalterInnen). Mit Konzerten wird das tägliche Brot verdient. Nebenbei bringen dann oft auch die CD- und Vinylverkäufe am Verkaufsstand die Butter dazu. Das alles gibt es nun gerade nicht. Dafür aber etliche hörenswerte neue CDs und LPs, die in den wieder aufgesperrten Geschäften erworben werden können.

Zurzeit auf Tour wären auch Tamikrest gewesen, die ihr neues Werk vorstellen wollten. Die Tuareg-Band, die ursprünglich aus Kidal in Mali stammt, legt mit „Tamotaït“ ihr fünftes und wohl ausgereiftestes Studioalbum vor. Der Titel bedeutet „Hoffnung auf eine positive Veränderung“. Die können nicht nur die Tuareg gut gebrauchen. Abwechslungsreicher Wüsten-Gitarrenblues der feinen Sorte.

Frisch reingekommen ist auch eine CD von Nina Ogot mit dem Titel „Dala“. Sie kommt aus Kenia, bevorzugt aber ihre eigene Kreation panafrikanischer Musik, freilich auch mit Einflüssen ihrer Heimat. Aufgenommen wurde in Deutschland unter Mitwirkung einer 13-köpfigen Band. Nina Ogot singt in den Sprachen Kiswahili und Dholuo.

Die Amsterdam Klezmer Band wiederum bemüht sich auf ihrem neuen Album „Fortuna“ wie eh und je um eine Vermittlung von Tradition und Moderne. Was Mitte der 1990er Jahre mit Straßenmusik in Hollands Hauptstadt begann, füllte bis vor Kurzem große Konzertsäle und Festivalgelände überall auf der Welt.

Sie spielen ihre spezielle, ureigene Variante des „Progressive Klezmer", inklusive aller rauen Ecken und Kanten. Klezmer wird mit Balkan bis zum Schwarzen Meer kombiniert, inklusive Brass und komplizierte osteuropäische Rhythmen. Dazu ein paar Tupfer Blues, Rap, Reggae und Jazz.

Legendäres Konzert. Dann ist da Džambo Aguševi mit seinem Orchestra. „Funky Tiger of Macedonia“ sagen sie zu ihm und das Album nennt sich „Brasses for the Masses“. Das zehnköpfige Džambo Aguševi Orchestra spielt mit ungeheurer Wucht. Ganz zu schweigen von den orientalisch anmutenden Trompetensoli des Meisters.

Die regionale Blasmusik dient als Vorlage, um sie mit harten Grooves anzureichern. Jazz und Funk ist da nicht weit. Der Funky Tiger eben.

Die Wiener Tschuschenkapelle rund um Slavko Ninić, dem Mann mit dem berühmten schwarzen Hut, hat im Mai 2019 ein schon jetzt legendäres Konzert mit vielen Gästen wie Otto Lechner, Roland Neuwirth und Willi Resetarits in angemessenem Rahmen gespielt. Nun lässt sich der Abend auf „30 Jahre. Live im Wiener Konzerthaus“ nachhören. In konzentrierter Form wird das Schaffen der Kapelle über die Jahrzehnte hörbar.

Längst eine Wiener Institution, trägt die Tschuschenkapelle den multikulturellen und vielseitigen musikalischen Charakter der Stadt seit jeher in alle Welt.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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