Humor von Welt

Stand-up-Comedy erobert die heimischen Bühnen, kulturelle Vielfalt und grenzenloser Schmäh inklusive.

Von Marvin-Tare Landl

Comedian „Soso“ gibt´s sowohl auf der Bühne als auch in verschiedenen TV-Shows zu sehen.© Benedict Bauer

Ein Comedian* erzählt: „Mein Vater ist Nigerianer und meine Mutter Österreicherin. Das heißt, ein Elternteil ist aus einer Bananenrepublik … und der andere aus einem westafrikanischen Ölexportland.” Solche Pointen kann man bei Stand-up-Comedy-Shows hören. Dieses komödiantische Veranstaltungsformat ist in Österreich noch relativ neu, das Publikumsinteresse wächst.

In den vergangenen Jahren konnten sich KünstlerInnen wie Simplice „Soso“ Mugiraneza, Nikorrekt, Sonja Pikart, John Smile, Isabel Meili, Aladdin, Mario Lucic, Sebastian Hochwallner, Benedikt Mitmannsgruber oder Walid Azak einen Namen machen. Einige in der stetig wachsenden Stand-up-Comedy-Szene haben Migrationshintergrund. Ob mit oder ohne: Es geht darum, Alltagserfahrungen zu vermitteln. Das können auch persönliche Erlebnisse mit Flucht oder Rassismus sein. Jedenfalls sind sie mit einer gehörigen Portion Humor angereichert.

Humor machen die Comedians zum Mittel der kulturellen Repräsentation und zum Sprachrohr für ihre Anliegen. Den einen ist es dabei wichtig, bei allem Humor „korrekt“ zu bleiben, die anderen überschreiten gezielt so manche Grenze und wollen auf diese Art provozieren.

Humoristische Melange. Stand-up-Comedy trifft Wien: Das Ergebnis ist eine Vermischung von Elementen des traditionellen österreichischen Kabaretts mit Einflüssen aus aller Welt – v.a. aus den USA und auch aus Deutschland, wo Komik dieser Art schon mehr Tradition hat.

In Wien starteten erst in den vergangenen Jahren solche Veranstaltungsreihen, eine davon war Comedy Friday. Mittlerweile gibt es schon mehr, v.a. in Wien, aber auch in anderen österreichischen Städten (Bühnentipps siehe Kasten).

Mikro in die Hand! Im Unterschied zu den traditionellen Kabarettbühnen bieten die Stand-up-Comedy-Veranstaltungen in kleineren Lokalen oder Clubs oft im Rahmen von sogenannten Open Mics, also „offenen Mikrofonen“, auch für BesucherInnen die Möglichkeit, eine tragende Rolle einzunehmen. Denn: Jede und jeder kann für eine (vor)bestimmte Zeit auf die Bühne kommen, das Mikrofon in die Hand nehmen und Humorvolles zum Besten geben.

NewcomerInnen können das zum Ausprobieren nutzen. Darüber hinaus dienen die offenen Bühnen – die meisten bei freiem Eintritt  –  erfahrenen Comedians als Probebühne.

Und es sind Orte, in denen man sich vernetzen kann: Im Publikum ist meist die (noch kleine) Szene selbst vertreten, also andere Comedians, altgediente sowie AnfängerInnen. Im Anschluss an Shows kommt es meist zu einem regen kritischen Austausch zu den einzelnen Vorstellungen.

Bei größeren Events gehört die Bühne aber ganz den erfahrenen Comedians und ihren Programmen. Dem Publikum bleibt dann die Zuschauerrolle, und viel zu lachen.        

Marvin-Tare Landl hat zuletzt seinen Zivildienst bei Südwind absolviert. Im Herbst fängt er ein Publizistik-Studium an der Uni Wien an.

*Ab und an wagt sich der angehende Journalist selber ans Open Mic-Mikrofon.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen