Ich wollt’, ich würd’ Ägypter

Von Manfred Ewel ·

Alaa al-Aswani

Erzählungen. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Lenos Verlag, Basel 2009. 265 Seiten, € 19,90

Der Band des ägyptischen Schriftstellers präsentiert 17 Erzählungen, die der erfolgreichste Prosaautor in arabischer Sprache zwei Jahre nach seinem Bestseller „Der Jakubijan-Bau“ (2002) veröffentlicht hat. Im Vorwort schildert er, wie die Veröffentlichung von kritischen Einstellungen gegenüber der ägyptischen Gesellschaft selbst durch literarische Personen stets Ablehnung und Empörung hervorruft.

Der Titel des Buchs entstammt der ersten Geschichte „Die Aufzeichnungen des Issâm Abdalâti“ und ist ein in Ägypten äußerst bekanntes Zitat des Nationalisten Mustafa Kâmil, der vor hundert Jahren für die Unabhängigkeit Ägyptens von den Briten eintrat. Die Prosafigur Abdalâti jedoch tut etwas, was sich im realen Leben kaum ein Ägypter traut: Er kritisiert den übertriebenen Nationalstolz und bezeichnet „Feigheit und Scheinheiligkeit, Bosheit und Gemeinheit, Trägheit und Gehässigkeit“ als typische ägyptische Eigenschaften. Daneben entlarvt er verlogene Lobeshymnen auf die angeblich herausragende Stellung seines Landes in der Welt und denunziert Nationalismus, Religion und Politik als Fata Morgana, mit der die Bevölkerung vom kritischen Denken abgehalten wird.

Eine derart schonungslose Abrechnung mit nationalen Wunschträumen würde sicher auch in vielen anderen Ländern auf einige Ablehnung stoßen. Auch wenn al-Aswani in seinem Vorwort beteuert, dass es sich hier lediglich um eine literarische Gestalt handelt, die keineswegs seinen eigenen Überzeugungen entspricht, ist es nicht überraschend, dass die ägyptische Buchorganisation diesen Text als Nestbeschmutzung ablehnte.

Die Veröffentlichung dieser provozierenden Geschichte ist vermutlich dem großen Erfolg seines Erstlings und der darin ebenfalls offen gezeichneten Verfehlungen in der Politik und Gesellschaft seines Landes zu verdanken. Al-Aswani, der seinen Lebensunterhalt als Zahnarzt verdient und in den USA studiert hat, ist inzwischen nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Befürworter von Respekt und Toleranz zwischen dem Westen und der islamisch geprägten Welt bekannt. Er hat durch Mut zur Selbstkritik und rationale Offenheit die politische Diskussion in der arabischen Welt ein gutes Stück vorangebracht und steht auch als Literat zu seiner öffentlichen Verantwortung.
 

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