Fakten

Von Redaktion ·

Behinderung in Entwicklungsländern

Armutsfalle

Behinderte Menschen sind unverhältnismäßig oft von Armut betroffen. Die Weltbank schätzt, dass 20 Prozent der ärmsten Menschen behindert sind.
Armut und schwere Behinderungen stehen in direktem Zusammenhang. 50 Prozent der Behinderungen sind vermeidbar und zumindest teilweise armutsbedingt, 20 Prozent der Beeinträchtigungen sind auf Mangelernährung zurückzuführen.(1)


Lücke in der Gesundheitsversorgung

Bei allgemein zu niedrigen Gesundheitsausgaben bleibt für behinderte Menschen kaum etwas übrig.
  • Mehr als 80 Prozent der weltweit 50 Millionen Menschen, die an Epilepsie leiden, leben in Entwicklungsländern. Die Behandlungskosten belaufen sich oft auf nicht mehr als fünf US-Dollar pro Jahr und Person. In Afrika werden mehr als 80 Prozent der Menschen mit Epilepsie nicht ärztlich behandelt.(9)

  • Konzertierte Anstrengungen können große Veränderungen bewirken. 1988 nahm sich die internationale Gemeinschaft vor, die Kinderlähmung auszurotten. Damals waren weltweit 350.000 Fälle bekannt. Bis 2004 sank die Zahl auf nur mehr 1.255.(10)



Kindheit

  • Die Sterblichkeit von behinderten Kindern kann bis zu 80 Prozent erreichen, sogar in Ländern, wo die Kindersterblichkeit in der Gesamtbevölkerung bei 20 Prozent liegt.(1)

  • Mehr als 90 Prozent der behinderten Kinder besuchen keine Schule.4 Von den 115 Millionen Kindern weltweit, die nicht zur Schule gehen, sind 40 Millionen von Behinderungen betroffen.(2)

  • Jährlich verlieren 500.000 Kinder durch Vitamin-A-Mangel einen Teil ihrer Sehkraft.

  • Jedes Jahr sind 41 Millionen Neugeborene von geistigen Behinderungen bedroht, weil ihre Mütter zu wenig Jod mit ihrer Nahrung aufnehmen.(5)



Mangelhafte Datengrundlage
  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt den Anteil behinderter Menschen an der Bevölkerung auf durchschnittlich zehn Prozent.

  • In ärmeren Ländern zeigen offizielle Daten weit niedrigere Anteile, was Behindertenorganisationen auf zu enge Definitionen sowie auf Datenerfassungsprobleme zurückführen.

  • Dessen ungeachtet leben mehr als 75 Prozent der Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern.



Ursachen von Behinderungen

Mangelernährung: 20%
Unfall/Trauma/Krieg: 16%
Infektionskrankheiten: 11%
Geburtsfehler: 20%
nicht infektiöse Krankheiten: 20%
Sonstige (inkl. Alter): 13%

  • Laut WHO können 70 Prozent der Fälle von Blindheit und fast 50 Prozent der Gehörbeeinträchtigungen unter Kindern in Entwicklungsländern vermieden oder behandelt werden.(3)

  • Behinderte Menschen und ihre Familien stecken aufgrund fehlender Unterstützung und der Verweigerung von Erwerbsmöglichkeiten in einem Teufelskreis der Armut.

  • In Kenia haben nur zwei Prozent der 160.000 blinden oder sehschwachen Menschen eine Beschäftigung.(4)



Frauen und Mädchen

Behinderte Mädchen besuchen noch seltener eine Schule als behinderte Buben(3)
  • Behinderte Frauen haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko, körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht zu werden als Frauen ohne Behinderungen.(3)

  • Eine Erhebung im indischen Teilstaat Orissa ergab, dass behinderte Frauen und Mädchen ausnahmslos zuhause geschlagen wurden, dass 25 Prozent der geistig behinderten Frauen vergewaltigt und sechs Prozent aller behinderten Frauen zwangssterilisiert wurden.(1)

  • Jedes Jahr sind 20 Millionen Frauen von Behinderungen betroffen, die als Folge einer Geburt oder Schwangerschaft auftreten.(1) Die überwiegende Mehrheit dieser Frauen lebt wahrscheinlich in Entwicklungsländern, da nur ein Prozent der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Geburt (Müttersterblichkeit) auf reiche Länder entfällt.(8)

  • Mehr als 100 Millionen Frauen und Mädchen in Afrika leben mit den Folgen einer Verstümmelung ihrer Sexualorgane.(3)



Eklatante Versorgungsmängel

  • Nur zwei Prozent der behinderten Menschen in Entwicklungsländern haben Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung und Rehabilitation(3).

  • Der Bedarf von 80 Prozent könnte mit Mitteln der eigenen Gemeinschaft gedeckt werden; nur 20 Prozent würden Betreuung durch ExpertInnen benötigen(3).

  • 20 Millionen Menschen weltweit benötigen einen Rollstuhl, haben aber keinen(6).

  • Weniger als 0,1 Prozent der sowohl blinden als auch gehörlosen Menschen in Entwicklungsländern werden angemessen betreut bzw. unterstützt(7).

  • In den ärmsten Ländern gibt es nur einen Psychiater/eine Psychiaterin für zwei Millionen Menschen; in den reichen Ländern beträgt das Verhältnis etwa 1:10.000 (Medianwerte, d.h. in jeweils der Hälfte der Länder liegen die Werte höher bzw. tiefer).(11)


Quellen
1) Philippa Thomas, Disability, Poverty and the Millennium Development Goals, DFDI, Juni 2005
2) Education for All: Including Children with Disabilities, Education Notes August 2003, Weltbank
3) DFDI, Disability, Poverty and Development, Februar 2000
4) Arne Fritzson and Samuel Kabue, Interpreting Disability, WCC Publications, Genf 2004
5) www.unesco.org/education/efa/know_sharing/flagship_initiatives/persons_disabilities.shtml
6) www.motivation.org.uk/_history/index.html
7) Sense International, www.senseinternational.org
8) World Health Report 2005, WHO 2005
9) World Health Report 2001, WHO 2001
10) UNICEF, Progress for Children, No 3, September 2005
11) Mental Health Atlas 2005, WHO

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