Liebe Südwind-Redaktion!

Von Redaktion · · 2009/12

Im Rahmen meiner Arbeit bei einer lokalen Frauenrechtsorganisation war ich vor kurzem auf Dienstreise. Eine Eigenheit hier in Uganda ist es, dass gewisse Gesetze lokal eingeführt werden können. In einer Gemeinde etwa gibt es das Gesetz, dass sich Frauen ab 20 Uhr nicht mehr im öffentlichen Raum, vor allem nicht in der Nähe von Bars, aufhalten dürfen. In einer anderen Gemeinde geht das Gesetz soweit, dass sich Frauen mit Männern, die weder ihre Ehemänner noch Familienangehörige sind, nur maximal eine Stunde lang unterhalten dürfen. Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass unsere Organisation versucht hat, das Vorkommen, die Gründe und Konsequenzen von sexualisierter Gewalt zu erheben. Diese Gesetze wurden uns als Lösungsvorschläge präsentiert. Unsere Nachfrage, ob es denn „fair“ sei, dass die eigentlichen Opfer in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, quasi präventiv bestraft würden, stieß auf erhobene Augenbrauen der GesprächspartnerInnen.

„Wer Schuld hat“, wird in Uganda viel diskutiert: Der ugandische Minister für Ethik hat vor einiger Zeit in den Raum gestellt, ob es Frauen in Kampala nicht verboten sein sollte, Miniröcke zu tragen. Das Zeigen der Beine würde die Unfallrate erhöhen, indem es die Autofahrer ablenkt. Könnten nicht die Straßenverhältnisse, das Fahrvermögen der LenkerInnen oder gar die korrupte Straßenpolizei auch ein wenig daran Schuld haben? Prompt wurde auch dieses Gesetz, wenn nicht landesweit, so doch in manchen Gemeinden, eingeführt. Jetzt warten wir nur noch darauf, dass die First Lady wieder einmal – ja, auch das gab es bereits – ein nationales 3-Tages-Gebet per Antrag im Parlament einberuft – ja, das ging tatsächlich durch.

Liebe Grüße
Patricia Otuka-Karner
Kampala, Uganda

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