

Thailands Transportsektor, Landwirtschaft und Tourismus trifft die Energiekrise hart.
Supol Naebthongdee bricht mit seiner Frau von der östlichen Stadt Buri Ram auf in die historische Königsstadt Ayutthaya. Dort wird sein Enkel gerade zum Mönchsnovizen gemacht. Doch anders als in den Vorjahren reist der 78-jährige Supol heuer mit dem Zug statt mit dem Auto.
„Mit über 50 Baht (1,33 Euro) für einen Liter Kraftstoff sind die Kosten einfach zu hoch,“ sagte er der Zeitung Bangkok Post. Insgesamt koste die Autofahrt dann 6.000 bis 7.000 Baht. Für die Zugfahrt zahlt er dagegen nur 100 Baht. Buri Rams Bahnhofsvorsteher berichtete der Zeitung, dass wegen der hohen Spritpreise während des Songkran-Festes 20 bis 30 Prozent mehr Fahrkarten verkauft wurden als im Vorjahr.
Das neue Jahr, 2569 nachdem thailändischen Sonnenkalender, hat in Thailand unter schwierigen Vorzeichen begonnen. Der Energiepreisschock des Irankriegs überschattete das traditionelle Songkran-Fest, das von 13. bis 15. April den Jahreswechsel einläutete und für seine Wasserschlachten bekannt ist. Für gewöhnlich nutzen viele der 70-Millionen Einwohner:innen die Feiertage um bei einem ein- bis zweiwöchigen Urlaub Familienangehörige zu besuchen oder Ferien zu machen.
Ölpreisfonds im Defizit
Thailand bezieht 60 Prozent seines Ölbedarfs aus den Golfstaaten. Zunächst wähnte sich die Regierung durch den staatlichen Ölpreisfonds geschützt. Seit 1979 dient er dazu, die inländischen Kraftstoffpreise zu regulieren und extreme Preisschwankungen auf dem Weltmarkt abzufedern. Der bisherige Zapfsäulenpreis von 30 Baht pro Liter Diesel war jedoch nach dem Preisschock im Zuge der Sperrung der Straße von Hormus schon bald nicht mehr zu halten.
Mittlerweile weist der Fonds ein Defizit von über 60 Milliarden Baht auf. Premier Anutin Charnvirakul appellierte an die Bevölkerung, im Homeoffice zu arbeiten und Klimaanlagen auf 27 Grad hochzudrehen.
Dabei konnte Bangkok mit Teheran sogar die Passage mehrerer Öltanker durch die Straße von Hormus aushandeln. Neun thailändische Schiffe mit Dünger sollen dort aber noch festhängen. Am 8. April traf immerhin ein Tanker mit 700.000 Barrel Rohöl im Golf von Thailand ein. Laut Regierung verfügt das Land über Ölreserven für 100 Tage. Wenn die Blockade der Straße von Hormus anhält, dürfte sich Thailands Lage weiter zuspitzen.
Wachstumsprognose gesenkt
Schon jetzt wirken sich die höheren Energiekosten über die Transportpreise auf die Lebenshaltungskosten aus. Und auch der Tourismus, ein wichtiger Pfeiler von Thailands Wirtschaft, ist vom Krieg rund um den Iran betroffen: Der Flugverkehr über Dubai und Qatar ist unsicher, das Interesse der Urlaubenden gebremst. Auf der Ferieninsel Koh Samui sollen die Buchungen laut dem Onlinemedium Khaosod bereits um die Hälfte gesunken sein.
Die Weltbank hat Thailands Wachstumsprognose inzwischen von 1,8 auf 1,3 Prozent gesenkt. Damit zählt es zu den Schlusslichtern in Asien. Zwei Meldungen verdeutlichen die Krise: So erklärte zu Songkran der Abt des für seine Sozialarbeit bekannten Tempels Wat Suan Kaew, dass man keine weiteren Bedürftigen mehr versorgen könne. Die Tempelgemeinde spüre einen Spendenrückgang.
Und in der Provinz Chachoengsao östlich von Bangkok machte die Bäuerin Wannanee Pluemsomboon Schlagzeilen. Sie vermietet jetzt Wasserbüffel für bis zu 6.000 Baht als Zugtiere an all jene, welche die Treibstoffkosten für ihre Motorpflüge und Traktoren nicht mehr zahlen können.
Hilfspaket für 42 Tage
Seit Ende der Songkran-Ferien zahlt die Regierung ein Hilfspaket von 7,7 Milliarden Baht aus: je 200 Baht für gut 13 Millionen Sozialhilfeempfänger:innen sowie Direktzahlungen für 230.000 Betreiber:innen von LKWs, Bussen, Taxis und Motorradtaxis. Zudem erhalten bäuerliche Betriebe subventionierten Dünger. Das Paket ist für 42 Tage kalkuliert. Sollte sich in der Zeit die Lage auf dem internationalen Energiemarkt nicht entspannen, wäre die Hilfe nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Sven Hansen ist Asienredakteur der Berliner Tageszeitung taz.
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