Liebe Südwind-Redaktion!

Von Redaktion ·

2011 ging die Meldung um die Welt, dass Ruanda die höchste Frauenquote im Parlament hat. Und: Einige wichtige Ministerien sind in Frauenhand. Darauf ist man im kleinen ostafrikanischen Land – zu Recht – stolz. Aber wie sieht es in der Gesellschaft selbst aus? Während meines Aufenthalts gehöre ich dem Chor der katholischen Kirche St. Dominique Kacyiru in Kigali an. Nach jeder Probe geht es nach Hause – zumindest für die Frauen.

Die Männer lassen den Abend meist noch in einer kleinen Bar ums Eck ausklingen. Die ersten paar Male habe auch ich mich auf den Heimweg gemacht. Doch irgendwann wollte ich einfach mit ihnen in die Bar gehen. Seitdem bin ich festes Mitglied der Männergesellschaft Ruandas und genieße also eine gewisse Sonderrolle. „Die ruandischen Frauen haben daheim zu bleiben, sich um den Haushalt und die Familie zu kümmern und anständig zu sein“, erklärte mir einmal ein Mann nach ein paar Bier. Ich arbeite derzeit für die größte Zeitung Ruandas, The New Times. Die Personalabteilung im Unternehmen wird von einer Frau geleitet. Die Arbeit, die sich an die Öffentlichkeit richtet, also das Printprodukt, wird allerdings ausschließlich von Männern bestimmt. Es würde auch niemals eine Journalistin ein wichtiges Interview führen, das ist anscheinend „Männersache“.

Die Frauen vom Chor, die treffen sich übrigens tagsüber, um gemeinsam zu essen oder zur Maniküre zu gehen. „Unsere Väter und Männer haben eben Angst um uns, wenn wir im Dunkeln alleine ausgehen“, erklärt mir eine von ihnen auf dem Heimweg von der Chorprobe. „Und Widerstand ist eh sinnlos“, sagt sie dann ganz leise.
Louisa Esther Glatthaar

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