Irak nach der Invasion – die Fakten

Aktion Desert Fox 1998: Die Schäden des britischen und US-amerikanischen Bombardements sind noch nicht beseitigt.

KINDER

* Die Kindersterblichkeit im Irak hat seit 1990, als die ersten drakonischen UN-Sanktionen verhängt wurden, um 150% zugenommen. Das Embargo, das bis Mai 2003 dauerte, behinderte den Wiederaufbau der Wasserversorgung und der sanitären Infrastruktur, weil es auch Chlor und Ersatzteile einschloss. In diesem Zeitraum waren wasserbedingte Krankheiten die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren. Schätzungsweise 500.000 Kinder starben während der ersten fünf Jahre des Embargos. 1)

* Nach der Invasion ging das Leiden der irakischen Kinder weiter. 2005 starben rund 122.000 Kinder unter fünf Jahren. Mehr als die Hälfte der Todesfälle entfiel auf Kinder in den ersten Lebensmonaten. 2) * 2008 besuchten nur 50% der Kinder im Grundschulalter eine Schule; 2005 waren es noch 80%. Etwa 1.500 Kinder wurden in Internierungslagern festgehalten. 3)

* 2007 lebten im Irak laut Regierungsstatistiken fünf Millionen Waisen. 4)

* Vor der Invasion waren 19% der Kinder unterernährt; 2007 waren es 28%. 5)

INFRASTRUKTUR 7)

* Acht Millionen Menschen im Irak sind auf Nothilfe angewiesen, fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in absoluter Armut.

* Vier Millionen Menschen haben zu wenig zu essen und brauchen dringend humanitäre Hilfe.

* Nur 60% der vier Millionen, die auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind, erhalten staatliche Lebensmittelrationen. 2004 waren es 96%.

* Der Anteil der Bevölkerung ohne adäquate Wasserversorgung ist seit 2003 von 50% auf 70% gestiegen.

* 80% der Bevölkerung haben keinen gesicherten Zugang zu einer funktionierenden sanitären Infrastruktur.

* Die schlimmste Dürre seit babylonischen Zeiten könnte dazu führen, dass bis zu zwei Millionen Menschen im Südirak kein Trinkwasser mehr haben.

VERSCHWINDEN LASSEN, MORDE, GESETZWIDRIGE VERHAFTUNGEN

* Seit der Invasion von 2003 wurden mindestens 210 AnwältInnen und RichterInnen ermordet, weitere Dutzende wurden bei den Anschlägen verletzt. 8)

* Auf Basis von Erhebungen irakischer NGOs verschwanden während der ersten vier Jahre der US-Besatzung mindestens 15.000 Menschen. 9)

* Nach Angaben des „BRussells Tribunal“ wurden seit der Invasion 437 irakische AkademikerInnen ermordet. 10)

* Schätzungsweise 30.000 Menschen befinden sich derzeit im Irak in Untersuchungshaft. Die meisten sind in überfüllten und hygienisch bedenklichen Einrichtungen untergebracht, die den Ministerien für Justiz, Inneres und Verteidigung unterstehen. 11)

* Im Februar 2010 befanden sich nach wie vor 5.800 Menschen im Gewahrsam der US-Truppen, obwohl bereits tausende Gefangene an die irakischen Behörden übergeben wurden. 12)

* 2007 hatte Bagdad die zweifelhafte Ehre, als „Welthaupstadt der Entführungen“ bezeichnet zu werden. 13)

FRAUEN

2008 führte die irakische NGO Al-Amal eine von Oxfam konzipierte Erhebung 14) zur Lage irakischer Frauen im Alter von 21 bis 65 Jahren durch. Es ergab sich ein düsteres Bild, das als „stille Katastrophe“ bezeichnet wurde.

* 33% der befragten Frauen hatten seit 2003 keinerlei humanitäre Hilfe erhalten.

* 76% der Witwen gaben an, keine staatliche Pension zu beziehen.

* 52% der Befragten waren arbeitslos. * 55% waren in der Zeit nach 2003 vertrieben worden.

* 55% waren seit 2003 zumindest einmal Opfer von Gewalt geworden. 25,4% waren von der allgemeinen Gewalt auf den Straßen betroffen, 22% von häuslicher Gewalt, 14% von Gewalttaten durch Milizen, 10% von gezielter Gewalt bzw. gezielten Entführungen, 9% von sexueller Gewalt und 8% von Gewaltausübung durch die internationalen Truppen.

* 40% gaben an, Gesundheitsdienste nur unter persönlicher Gefahr beanspruchen zu können.

* 30% der Frauen mit Kindern gaben an, die Schule nur unter Inkaufnahme von Sicherheitsrisiken erreichen zu können.

* 31% gaben an, sich in ihrem Wohngebiet nicht frei bewegen zu können (auf den Markt zu gehen etc.), ohne die persönliche Sicherheit aufs Spiel zu setzen.

Copyright New Internationalist

1) UNICEF, www.unicef.org/newsline/99pr29.htm
2) State of the World’s Mothers Report 2007, Save the Children
3) Radhika Coomaraswamy, Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Kinder in bewaffneten Konflikten.
4) www.alternet.org/world/70886/?page=entire
5) Oxfam, 29. Juli 2007, www.iraqslogger.com/downloads/oxfam.pdf
6) www.brusselstribunal.org/pdf/BaghdadMapsEthniCleansing.pdf
7) Oxfam 2007, zitiert auf www.informationclearinghouse.info/article18091.htm
8) Iraqi Lawyers‘ Association, 30. April 2007
9) IRIN, 18. April 2007, www.irinnews.org/Report.aspx?Reportid=71668
10) www.brusselstribunal.org/pdf/academicsBT151108.pdf
11) Amnesty International, Human Rights Briefing März 2010-06-01
12) Ebd.
13) www.counterpunch.org/cockburn09302004.html
14) „In Her Own Words“, eine von Oxfam konzipierte und von der irakischen NGO Al-Amal durchgeführte Erhebung, März 2009.

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