Ist da jemand?

Irgendwas läuft schief. Diese Überzeugung wächst in großen Teilen der Bevölkerung immer stärker. Für gestandene WeltverbessererInnen und SüdwindleserInnen ist das nichts Neues. Was zu ändern wäre, liegt auf dem Tisch: Das ungerechte Wirtschaftssystem geradebiegen, die Konzerne an die Leine nehmen und die Trägheit der Massen in freudiges Engagement verwandeln. Ruck zuck und passt. Aber irgendwie ist da niemand, der dieses Gefühl der Unzufriedenheit in eine konstruktive Bahn lenkt, der es schafft, die Menschen auf die interessante Fährte des „guten Lebens“ zu locken. Ich weiß, beim XXX-Lutz gibt es oft Freibier und Hendln um 1,50 Euro – aber das meine ich nicht mit „gutem Leben“. Man wundert sich wirklich: Da nimmt man als Medienkonsument jeden Tag sein Bad im politischen Geschehen, man weiß, dass es etwas seltsam riecht und trotzdem ist niemand da, der sagt: Leute, vielleicht wäre es besser, wenn wir beim Duschen Wasser nehmen statt Jauche. Keiner da.

Aber wie müsste eine Person beschaffen sein, die diese Kanalisierung schafft? Wie sieht also der Retter, die Retterin der Welt aus? Ich wollte es genau wissen und habe mich mit einem befreundeten Human Resource Manager unterhalten. Er hat folgendes Jobprofil erstellt: Die Person müsste sympathisch sein, aber nicht zu nett, zupackend, aber nicht bevormundend, ehrlich, aber nicht naiv offen, sachkundig aber nicht zu wissenschaftlich. Vor allem aber sattelfest in Wirtschaftskunde, Geographie und Turnen (weil es sicher ein anstrengender Job ist). Ich war erleichtert: Frank Stronach ist es nicht.

Natürlich höre ich schon die Gegenstimmen. Nein, wir brauchen keinen Star, keinen Messias, keine Lady Gaga der Politik. Wir brauchen viele kleine Gruppen, die wie Samenkörner den Boden solange bearbeiten, bis das Neue wächst. Wir brauchen soziokratische Prozessentwicklungsmodelle und basisorientierte Mitgestaltung. Wir brauchen Gemeinschaftsküchen, Gemeinschaftsgärten und Gemeinschafts-Wohn-Projekte. Das alte hierarchische Modell hat uns doch genau dort hin geführt, wo wir heute stehen. Es kann gar nicht eine Person sein, die uns aus der Krise führt. Alles richtig. Gleichzeitig ist es schwer vorstellbar: Bundeskanzler sein wird zum Halbtagsjob, den sich drei Personen teilen, die Bundesregierung eine Wohngemeinschaft, in der nur Männer kochen dürfen und die Medienlandschaft ein Garten, in dem man meditiert und sich gegenseitig die Schultern massiert. Ohne Jauche. Aber träumen wird man ja noch dürfen …

Georg Bauernfeind ist Kabarettist und Publizist in Wien. Programm und Termine auf www.georg-bauernfeind.at

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen