Italienische Extravaganz und Karibikfantasien

Von Werner Leiss ·

Viel Gefühl & gute Unterhaltung: Neues von der Singer-Songwriterin Flo und den Loire Valley Calypsos aus Frankreich.

Zwei Jahre nach dem in Italien und Europa erschienenen Album „Il mese del rosario“ mischt die neapolitanische Singer-Songwriterin, Autorin und Theaterschauspielerin Flo (die in voller Länge Floriana Cangiano heißt) auf ihrem neuen Album „La Mentirosa“ (Soundfly, Vertrieb: Edel) verschiedene Genres. Produziert auf der Höhe der Zeit wird ein italienischer Musikzirkus zelebriert, der alle Stücke spielt.

Ermöglicht hat das nicht zuletzt Produzent Daniele Sepe, von dem in der Vergangenheit schon großartige eigene Alben erschienen sind. Insbesondere mit dem tief in die vielschichtige neapolitanische Musiktradition eintauchenden Album „Vite Perdite“ aus 1993 konnte er auch international reüssieren. Von Sepe darf das volle Programm erwartet werden. Und er hat geliefert. Er war in der Lage, alle Schwingungen von intim und zart bis extravagant einzufangen.

Mehr als dreißig MusikerInnen haben ihren Beitrag geleistet. Hier eine Harfe, da eine Basstuba. Dann wieder eine E-Gitarre. Glockenspiele, Keyboards, Sitars und Chöre sind auch dabei. Nichts wirkt dabei überladen, alle Instrumente befinden sich am richtigen Platz.

Flo ist eine große Liedschreiberin. Daneben will sie aber auch auffallen, nicht zuletzt auch mit ihrem außergewöhnlich Outfit.

Ihre ausdrucksstarke Stimme klingt sowohl geradlinig als auch leidenschaftlich. Inkludiert sind große Theatralik und Gefühle. „La Mentirosa“ ist eines der interessantesten Alben, die in letzter Zeit erschienen sind.

Calypso aus Frankreich. Neues gibt es auch von den Loire Valley Calypsos, einer originellen Band aus Angers. Zunächst handelte es sich um ein akustisches Trio. Schon damals erzeugten sie karibische Unterhaltungsmusik. Mittlerweile ist die Elektrifizierung angekommen.

Auf „The Great Pink Flamingo“ (MaAuLa Records) präsentieren sie zwölf neue Songs, die bis auf den Lord Kitchener-Klassiker „Jump In The Line“ allesamt Eigenkompositionen sind.

Streng genommen ist das freilich längst nicht alles Musik, die dem Genre Calypso zugeordnet werden kann. Ohnehin existieren ja etliche, nicht gänzlich unähnliche Subgenres, wie Mento aus Jamaika, Goombay von den Bahamas, Bouyoun aus der Dominikanischen Republik oder auch Cadence Rampa aus Haiti. Nicht zu vergessen Soca, seit den 1970ern populär. Diese Band kommt ja aber auch aus Frankreich und deshalb mixen sie vorurteilsfrei drauflos.

Tatsächlich bedienen sie sich an vielen weiteren karibischen Stilen, wobei Calypso aber doch im Vordergrund steht. Mit viel Humor und lokalem Storytelling im Stile der 1940er und 1950er Jahre garantieren sie gute Unterhaltung der gehobenen Sorte.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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