Käfer statt Gift

Von Michael Hauser ·

Pflanzenschutz einmal ganz anders: In Benin werden Schädlinge durch gezielten Einsatz ihrer natürlichen Feinde bekämpft.

In Benin entsteht eine der größten Insektensammlungen Westafrikas, und zwar an der Abteilung für Pflanzenschutz am International Institute of Tropical Agriculture (IITA). Die Sammlung ist Bestandteil eines langfristigen Programms zur Erforschung und Erfassung biologischer Vielfalt und umfasst bereits über 131.000 konservierte Exemplare.

Das IITA leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der 1992 mit der UNCED (United Nation Conference on Environment and Development) beschlossenen Konvention über die Erhaltung der Artenvielfalt (Convention of Biological Diversity, CBD).

Die Sammlung bildet den Grundstein für ein besseres Verständnis von biologischem Pflanzenschutz. Studien über die Artenvielfalt schaffen die Grundlage für die Entwicklung realisierbarer Maßnahmen des biologischen Pflanzenschutzes. Dieser wiederum ist eine der tragenden Säulen einer sich an ökologischen Prinzipien orientierenden Landnutzung.

Die meisten Schadorganismen (wie zum Beispiel die Maniokschmierlaus) haben natürliche Feinde (Gegenspieler oder Nützlinge, z. B. Marienkäfer). Der biologische Pflanzenschutz nutzt diese Gegenspieler, um Schädlinge auf einem verträglichen Bestand zu halten. Nützlinge werden durch Vermehrung im Labor und Freisetzung im Feld ganz gezielt eingesetzt.

In den meisten Regionen Westafrikas ist der Einsatz chemischsynthetischer Mittel zum Schutz von Kulturpflanzen vor Schadorganismen logistisch kaum realisierbar und auch aus ökonomischer Sicht nicht wünschenswert. Der Einsatz von chemischen Pestiziden schädigt die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Berichte über schwere Pestizidvergiftungen sind unter anderem aus dem Baumwollanbau bekannt.

Viele der heute in Afrika produzierten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen sind dort nicht ursprünglich heimisch. Wälder werden gerodet, um den Boden nutzbar zu machen. Neue Anbaumethoden entstehen und führen zu bisher unbekannten Beziehungsnetzen zwischen Schadorganismen und deren natürlichen Gegenspielern. Dies erforschen die WissenschafterInnen von der IITA, um landwirtschaftliche Strategien auf überregionaler Ebene zu entwickeln.

In der IITA Datenbank befinden sich rund zehn Prozent der in Westafrika bekannten Arten. Allein im Jahr 1999 bekam das Institut rund 21.000 Insekten geliefert. Auch schaffen Bäuerinnen und Bauern mehr gesammeltes Material herbei, als das Institut mit seinem Personalstand bearbeiten kann. Die Zeit drängt: Jeden Tag gehen Hunderte unbekannte Arten verloren. Qualifiziertes Personal für Insektensammlungen ist in Westafrika rar.

Die Insektenproben stammen aus dem gesamten westafrikanischen Raum. AntragstellerInnen kommen aus der Wissenschaft, der landwirtschaftlichen Beratung und Pflanzenschutzdiensten. Eine mit jener in Benin vergleichbare Kollektion existiert nur in Dakar, der Hauptstadt Senegals.

Österreich unterstützt den biologischen Pflanzenschutz in Benin im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. So ist für das Jahr 2001 eine Förderung von circa 270.000 US-Dollar (circa 3,51 Millionen Schilling) vorgesehen.


FUSSNOTE

Artenvielfalt-Konvention

Österreich hat das Übereinkommen über die biologische
Vielfalt (Convention of Biological Diversity, CBD) am 13. Juni 1992 bei
der UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro unterzeichnet
und am 18. August 1994 ratifiziert. Dadurch ist Österreich die Verpflichtung
eingegangen, die Vielfalt von wilden und genutzten Pflanzen und Tieren
sowie Ökosystemen zu schützen und nachhaltig zu nutzen. International
ist das Abkommen am 29. Dezember 1993 in Kraft getreten. Dieser Tag wurde
von der UNO auch als Tag der biologischen Vielfalt festgelegt.

Das Abkommen erfasst nicht nur wild lebende Arten, sondern auch die
vielen Formen innerhalb einer Art sowie Kulturformen.

Die Strategie, die zum Erfolg führen soll: Bewahrung der biologischen
Vielfalt möglichst in ihren natürlichen Lebensräumen und
Nachhaltigkeit bei der Nutzung von Arten und Ökosystemen.

Lydia Matzka

 

www.iita.org

Michael Hauser ist Vertragsassistent am Institut für Ökologischen Landbau an der Universität für Bodenkultur in Wien. Weitere Informationen:

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