Kein Tauwetter in Sicht!

Titelgeschichte TIBET in SWM 11/98

Von Elisabeth Zimmermann
Frau Vollmer ist keineswegs die "Vertraute" des Dalai Lama, ihre Beobachtungen hat sie leider pauschaliert verwendet. Daß sie zu dem Schluß kommt, daß kein kultureller Genozid in Tibet stattfindet, und damit sogar die Aussagen seiner Heiligkeit in Frage stellt, beweist nicht nur, daß sie keine Vertraute des Dalai Lama sein kann, sondern daß sie sich von einigen wenigen Beobachtungen zu Schlußfolgerungen für ganz Tibet hinreißen ließ. (...)

Die Darstellung der Prostrationen der Tibeter ... läßt jeden journalistischen Geschmack vermissen. Dies ist ein dermaßen entwürdigender Stil, der in Ihrem Blatt keinen Eingang finden sollte. (...)

Daß die tibetische Kultur im Alltag weitgehend unangetastet bleibt, ist eine Behauptung, die wirklich nur totalem Unverständnis entspringen kann. Es wird praktisch kaum mehr tibetische Schrift und Sprache unterrichtet. ... Warum glauben Sie, daß sich viele Eltern schweren Herzens von ihren Kindern trennen, um sie nach Dharamsala in die Schule zu senden? (...)

Falsch ist Ihre Bemerkung, "Der Potala ... wurde nach der Zerstörung durch die Chinesen hergestellt und ist für die Rückkehr des Dalai Lama gerüstet." Erstens ist er ausschließlich Museum für die Touristen, und zweitens wurde der Potala zwar beschossen, aber nur wenig beschädigt. In der Zeit der Kulturrevolution stand er unter dem persönlichen Schutz von Zhou Enlai.

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