Kritische Anmerkung

Von Markus Ronniger ·

Kalender 2005

Motto: Läuft alles wunderbar und fein, so rührt sich allermeist kein Schwein.
Doch geht ein bissl etwas schief, So folgt sofort ein Leserbrief.


Danke für Ihre qualitativ hochwertige und „viel zu interessante“ Zeitschrift (da kaum Zeit bleibt, alles Interessante zu lesen). Dennoch ist der Anlass dieses Briefes eine kritische Anmerkung, eben zum oben erwähnten Kalender, der zu Jahresbeginn dem Südwind beigelegen ist (herzlichen Dank):
Die Idee, den Kalender mit Informationen zu Festen aus aller Welt zu versehen, gefällt mir. Weh tut es allerdings, dass dann ausgerechnet bei der nahe liegendsten Gemeinschaft, nämlich der christlichen, Fehler auftreten, die z. T. wirklich weh tun; insbesondere beim …
… Aschermittwoch: Dieser Tag ist der erste Tag der 40-tägigen Fastenzeit (nicht der letzte der Karnevalszeit!), und in der r.-kath. Kirche einer der beiden verbliebenen „großen“ sog. „Fast- und Abstinenztage“ (neben dem Karfreitag); das heißt grob gesagt: Verzicht auf Genussmittel, insbes. auf Fleischspeisen, sowie (für alle gesunden Erwachsenen bis zum 65. Lebensjahr) eine bloß einmalige Sättigung.
Dass unsere säkularisierte Gesellschaft aus diesem Fasttag ein „Schmausen“ von Heringen und allerlei sonstigem Zeug gemacht hat, passt wohl zur heutigen Zeit, nicht aber zum Südwind und seinen sonst exakten Recherchen.
… „Oster“samstag: (siehe im Kalender bei Aschermittwoch): Diesen Tag gibt es in den christlichen Kirchen nicht; und wenn man einen solchen einführen wollte, so wäre es der Samstag nach dem Ostersonntag! Der Samstag vor dem Ostersonntag heißt Karsamstag, ist der Tag der Grabesruhe Christi (und daher z.B. in der r.-kath. Kirche ein Tag der Stille, ohne jegliche liturgische Feier im engeren Sinn des Wortes – was in einer Kirche, die so leidenschaftlich und gerne allerhand Feste zelebriert, bemerkenswert ist).
Die sog. Osternachtsfeier findet am Vorabend des Ostersonntags statt und gehört liturgisch bereits zu diesem; mit dem Ostersonntag beginnt in jüdisch-christlicher Tradition – wie mit jedem Sonntag – eine neue Woche; hier könnte man fröhlich jedem Wochentag das Wörtchen „ Oster“ voranstellen; dann hätte man also seinen Ostersamstag, 6 Tage nach Ostern.
Ähnliches gilt übrigens auch zum Stichwort „HI. Abend“: Früher (in der r.-kath. Kirche) sogar ein Fasttag (vgl. heute noch das berüchtigte Karpfen-Verspeisen …), ist es der Tag vor den Feierlichkeiten zur Geburt Christi, die ja erst am 25. Dezember gefeiert wird; die „Heilige Nacht“ zählt insofern bereits zum Christtag.
Noch ein paar Randbemerkungen:
Der 6.1. heißt bei uns auch „Epiphanie“, was dem Sinn und Inhalt des Festes näher kommt als der gute alte Dreikönigstag (… und warum sollen nur andere Religionen beeindruckend klingende Festnamen haben?).
Den Rosenmontag als christlich-katholischen Feiertag zu deklarieren finde ich interessant und ist mir neu; meines Wissens nach bezieht sich der Name auf das „Rasen“ der Narren am Höhepunkt der Faschingszeit; eine direkte Verbindung zu einem katholischen Kirchenfest an diesem Tag finde ich nicht.
Der 8. 12. fehlt mir wirklich: Nicht als „strenger katholischer Christ“, sondern aus zwei anderen Gründen: Erstens weiß kaum jemand, was an diesem Tag von Christen wirklich gefeiert wird; zweitens ist dieser Feiertag zu dem Symbol der Macht des Marktes über die Menschen und ihre Sehnsucht nach Ruhe, Aufatmen, Feiern geworden (was dem Südwind ebenso wichtig sein sollte wie den Grünen).
Kurze Erklärungen (wie die gelungene z. B. für Pfingsten) fände ich auch sinnvoll bei den christlichen Festen „Fronleichnam“ (was feiern die da ?), oder aber auch bei Allerheiligen / Allerseelen, die gern in einen Topf geworfen werden und darauf vergessen wird, dass Allerheiligen ein fröhlicher Festtag und erst Allerseelen der traurigere „Todes-Bedenktag“ ist.
Wie bereits betont: Ich finde es – gerade in einer Zeit, wo alle Religionsgemeinschaften mit steigenden Abmeldezahlen vom Religionsunterricht zu kämpfen haben – unglaublich wichtig, Feste und ihren Sinn und Inhalt Menschen näher zu bringen, gerade auch die Feste der „anderen“. Dass dabei aber davon ausgegangen wird, dass Sinn und Inhalt, Namen und Daten der Feste des eigenen Kulturkreises vorausgesetzt werden können, hielte ich für einen groben Fehlschluss; die tieferen Hintergründe vieler religiöser Feste gehen verloren, Hand in Hand damit der Rhythmus des Alltagslebens und die Fähigkeit, gemeinsam zu feiern. Hier könnten wir m. E. von anderen Religionsgemeinschaften einiges lernen.
Danke für Ihr Engagement und Ihre wichtige weltweite Arbeit.
P.S.: Ich habe mich auf die christlichen Feste beschränkt, in der Annahme, dass bei den nicht-christlichen ohnehin gründlich recherchiert wurde.
Markus Ronniger
Wien

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