Kultursache SDGs

Warum die dringendsten Probleme der Welt auch ins Museum gehören, führt das Projekt „17 Museen x 17 SDGs“ vor Augen. Hier treffen die UN-Nachhaltigkeitsziele auf die österreichische Kulturszene.

Von Rosalie Marktl

Kultur trifft Weltblick: Die Ausstellung „Critical Care“ zeigt u.a. für Geflüchtete errichtete Klassenzimmer in Jordanien.© Martina Bo Rubino

Von Covid-19 bis zum Klima: Welche Rolle spielen Museen bei der Suche nach möglichen Wegen und Strategien aus der globalen Krise? Dieser Frage widmet sich das Projekt „17 Museen x 17 SDGs“. 17 heimische Museen erarbeiten dabei Vermittlungsformate, die sich inhaltlich und strategisch an den 17 Nachhaltigkeitszielen orientieren. Mit dabei sind sehr unterschiedliche Ausstellungshäuser von Bregenz bis Wien.

Initiiert wurde das Projekt vom Österreich-Zweig des internationalen Museumsrates ICOM in Kooperation mit dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport. Im Februar wurden per Live-Verlosung die 17 SDGs 17 interessierten Museen zugeordnet.

Die Sustainable Development Goals, also Ziele für nachhaltige Entwicklung (kurz SDGs), die bis 2030 erreicht werden sollen, wurden 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) von allen 193 Mitgliedstaaten verabschiedet. Sie dienen als Vorlage für alle Mitgliedsstaaten, Maßnahmen für eine zukunftsfähige Transformation auf ökologischer, sozialer und ökonomischer Ebene zu entwickeln.

Museum als Resonanzraum. Von der Eliminierung von Armut und Hunger über den Erhalt von Frieden und Gerechtigkeit bis zu Maßnahmen zum Klimaschutz: Die SDGs beschränken sich als Ziele erstmals in der Geschichte der UN nicht auf eine bestimmte Anzahl von Anliegen, sondern verlangen Fortschritte in allen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung.

Genau diese Verbindung von lokaler und planetarischer Perspektive in den SDGs schätzt Angelika Fitz. Sie ist Direktorin des Architekturzentrums Wien (AZW). Im Rahmen des Projekts beschäftigt sich das AZW mit der Umsetzung des siebten SDGs, das für alle Menschen den Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher und nachhaltiger Energie sicherstellen soll.

Insbesondere die Länder des Globalen Südens sollen dabei unterstützt werden, ihre Energieinfrastruktur auszubauen und Energietechnologien weiterzuentwickeln. „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit Strategien gegen den Klimawandel“, sagt Fitz. Die aktuelle Ausstellung im AZW „Boden für Alle“ thematisiert noch bis Juni weitreichende Perspektiven auf Bodenpolitik, die Ressourcen schont und den Klimawandel abfedert.

„Uns ist es wichtig, zu zeigen, dass es anders geht. Wir wollen keine spekulativen, sondern konkrete Projekte zeigen.“

So wurde im Rahmen der Ausstellung „Critical Care. Architektur für einen Planeten in der Krise“ 2019 zum Beispiel ein temporärer Garten angelegt, der im Sommer Kühlungseffekte erzielte – ganz ohne Technologie und Klimaanlage.

Mehr als konsumieren. Mit dabei ist auch das Werner Berg Museum in Bleiburg/Pliberk. Die Kärntner Sammlung, die dem Maler Werner Berg (1904-1981) gewidmet ist, wurde für das Ziel Nummer fünf „Gleichberechtigung der Geschlechter“ nominiert.

Geschlechtergleichstellung und eine Befähigung aller Mädchen und Frauen zur Selbstbestimmung soll anhand diverser Unterziele wie dem Beenden der Gewalt gegen Mädchen und Frauen, der Abschaffung schädlicher Praktiken bei Frauen und Mädchen oder der Wertschätzung von unbezahlter Pflege- und Hausarbeit erreicht werden.

Für Museumsleiter Arthur Ottowitz bietet diese Zuordnung Anlass, Gespräche anzuregen und Diskussionen auf Augenhöhe zu führen.

Geplant ist eine Gegenüberstellung der Werke von Berg und der Fotografien von Karlheinz Fessl im Rahmen der Ausstellung „doma/daheim – Unterwegs zu den Kärntner Sloweninnen und Slowenen“.

Dazu Ottowitz: „Was das Geschlechterbild angeht, wird das sehr interessante Aspekte aufzeigen. Da hat sich in den vergangenen 100 Jahren sehr viel getan.“

Vorträge und Podiumsdiskussionen zum Thema Transgender sind ebenso in Planung. Angesichts der gegenwärtigen Pandemie könnten daraus aber virtuelle Formate werden, befürchtet Ottowitz.

Apropos Pandemie: Vor dem Hintergrund von Covid-19 und den massiven Auswirkungen auf den Kulturbereich erklärt AZW-Direktorin Fitz zur tragenden Rolle der Museen: „Wir haben gemerkt, die Leute sind kulturell ausgehungert!“ Denn: „Es würde sonst schon von einem sehr engen Menschenbild zeugen – nur konsumieren und arbeiten, sonst nichts. Das Kreieren von Öffentlichkeit, das gemeinsam im Raum sein, das ist wichtig.“ Auf dass die Museen lange geöffnet bleiben bzw. rasch wieder öffnen.

Rosalie Marktl ist Journalismus-Studentin und arbeitet als Yoga-Lehrende in Wien.

Weitere Infos zum Projekt finden sich auf der Website von ICOM Österreich: icom-oesterreich.at

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