Land, Land, Land

Die gesicherte Nutzung ihres Lebensraumes ist für das Überleben der indianischen Völker von existentieller Bedeutung, betonten einmal mehr indigene Führer aus Brasilien bei einem Treffen in Wien.

Von Werner Hörtner
"Die Leute wissen, dass die brasilianische Verfassung den Indios ihr Land als Überlebensraum garantiert, entsprechend den jeweiligen Völkern, damit wir gemäß unserer Kultur, unserer Sprache und unserer Traditionen leben können. Doch in Wirklichkeit werden diese Garantien von der Regierung Brasiliens nicht eingehalten." Mauricio da Silva Gonçalves stammt von einem Guaraní-Volk aus dem Bundesstaat Espirito Santo und ist Leitungsmitglied der CAPOIB, einem Dachverband indianischer Völker und Organisationen Brasiliens. Er bringt das existentielle Problem der Indigenen Brasiliens auf den einen und wesentlichen Punkt: Die Politik der Regierung wird mehr von den Interessen der Grossgrundbesitzer bestimmt als von ihrer Verpflichtung zum Schutz der Territorien der UrbewohnerInnen des Riesenlandes.

Da die etwa 35.000 Guaraní in Brasilien nur über sehr wenig Land verfügen, sind viele gezwungen, mit irgendwelchen Hilfsarbeiten ihr Auslangen zu finden, z.B. in den Straßen Kunsthandwerk zu verkaufen oder in einer großen Alkoholfabrik zu arbeiten, erläutert Mauricio die Problematik seines Volkes. Und Lenino Candido von den Terena aus dem Bundesstaat Mato Grosso do Sul, auch er Mitglied der CAPOIB, weiß Ähnliches zu berichten: "Das grundlegende Problem für uns Terena ist das Fehlen von Land. Wir haben ein Stück Land, auf dem 250 Indios leben, und das größte gesicherte Territorium umfasst 6.462 Hektar, dort leben 4.200 Terena. Das ist doch sehr sehr wenig, nicht wahr?"

Der Guaraní-Führer ärgert sich über die offiziellen Jubelveranstaltungen. "Zur Zeit der ?Entdeckung' gab es über sechs Millionen Indios und mehr als 900 Völker. Sollen wir nun feiern, dass unsere Vorfahren umgebracht wurden?" Die Politik der Kolonialherren führte zum Aussterben von mehr als drei Viertel dieser Völker; Was können wir hier in Europa tun, um den Kampf der indianischen Völker ums Überleben zu unterstützen? Magali Neumann, brasilianische Anthropologin und Mitarbeiterin bei CIMI, setzt auf Druck seitens der europäischen Regierungen und auf eine offene Diskussion mit Brasilien. Und bei den brasilianischen Produkten, die hier verkauft werden, sollte sich die Öffentlichkeit fragen, unter welchen Umständen sie erzeugt wurden.

Egon Dinisio Heck, derzeit Generalsekretär von CIMI, unterstützt diesen Ansatz. Seiner Meinung nach wäre es wichtig, dass von indianischen Völkern hergestellte Erzeugnisse über Einrichtungen des fairen Handels in Europa vertrieben werden. So könnte auch eine Verbindung zwischen Organisationen der Zivilgesellschaft und indigenen Organisationen hergestellt werden.

"Und was die Konvention 169 der ILO, der Internationalen Arbeitsorganisation, zum Schutz der Rechte der indigenen Völker betrifft, so wäre für uns eine Ratifizierung durch die europäischen Staaten sehr hilfreich", fügt Mauricio von den Guaraní hinzu. Die darin ausgedrückten Grundkonzepte seien für die Indios von großer Bedeutung für eine Zukunftsperspektive, für das Projekt indianischer Gemeinschaften im Rahmen einer Gesellschaft mit mehreren Kulturen.

Die brasilianischen Gesprächspartner wurden von der Dreikönigsaktion nach Österreich eingeladen.

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