Leonardo Paduro: Labyrinth der Masken

Das Havanna Quartett: „Sommer“

Von Regula Schraner
Aus dem kubanischen Spanisch von Hans-Joachim Hartstein. Unionsverlag, Zürich 2005. 270 Seiten, € 19.90

In diesem dritten Band der Tetralogie wird Mario Conde zum Erkennungsdienst strafversetzt und fristet dort ein langweiliges Dasein mit dem Ausfüllen von Karteikarten. Als in der schwülen Sommerhitze im Stadtwald von Havanna die Leiche eines Transvestiten gefunden wird, ändert dies schlagartig seine Situation. Der homosexuelle Sohn eines hohen Politikers wurde ermordet, und niemand bei der Polizei will sich die Finger bei der Ermittlung verbrennen.
Condes Weg führt tief ins Milieu der Homosexuellen und Transvestiten. Er taucht ein in die Welt der Ausgestoßenen und Stigmatisierten. Der Polizist ist abgestoßen und fasziniert zugleich. Nichts ist so wie es scheint. Bei seinen Ermittlungen lernt er Alberto Marqués, einen exzentrischen homosexuellen Dramatiker, kennen. Aus Protest gegen seine ehemalige Verhaftung publiziert dieser nichts mehr. Die anfängliche Abneigung Condes wandelt sich in Respekt vor der Würde des alten Mannes.
Unzufrieden mit seiner beruflichen Tätigkeit als mörderjagender Polizist ringt Conde mit sich und schreibt endlich seine erste Kurzgeschichte.
Bis er den Fall erfolgreich lösen kann, führt sein Weg durch ein undurchsichtiges Labyrinth, denn auch die unnahbaren Eltern des Toten und deren Haushälterin treiben mit ihm ein Verwirrspiel.
Wiederum benutzt Leonardo Padura die Form des Kriminalromans, um ihm wichtige Inhalte zu vermitteln. In diesem Fall, um von der kubanischen Gesellschaft und ihrem Umgang mit der Homosexualität zu erzählen. Er tut dies auf spannende informative Weise.

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