

Was rauskommt, wenn drei Redakteurinnen je ein Buch für Ihren Lesesommer empfehlen? Eine literarische Reise um die Welt!
Monika Schneider-Mendoza, ihres Zeichen Afrika-Redakteurin im Südwind-Magazin, hat gerade Sansibar – Erkundungen eines Paradieses (Milena Verlag, Wien 2026, 220 Seiten, 25 €) von Karin Ivancsics gelesen. Diese persönliche Reiseerzählung startet in Stone Town, dem ältesten Stadtteil Sansibars. Im Museum der Prinzessin Salme beginnt sie gedanklich ein Gespräch mit der Tochter des Sultans von Oman und Sansibar, die 1866 einen deutschen Kaufmann heiratete und ihre Heimatinsel verlassen musste. Während die in Wien lebende Ivanscics mit dem Winter hadert, begibt sie sich auf die Spurensuche nach dem außergewöhnlichen Leben der Prinzessin. Monika Schneider-Mendozas Resümee nach der Lektüre: „Ein Buch, das Lust macht, die Zehen im Sand des tansanischen Inselarchipels zu vergraben und sich selbst auf Spurensuche zu begeben.“
Von Riesen, Drachen und Frauen
Auch Christine Tragler, Chefredakteurin des Südwind-Magazins, empfiehlt ein Buch, dessen Handlung auf dem afrikanischen Kontinent beginnt: The Dragons, the Giant, the Women von Wayétu Moore (Graywolf Press, Minneapolis 2020, 251 Seiten, 16,99 €) gibt es derzeit nur auf Englisch und wurde für den National Book Critics Circle Award nominiert. Dieses Buch bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Erinnerung und Erzählung, zwischen dem, was tatsächlich geschah, und dem, was ein Kind sich zusammenreimen musste, um das Unfassbare zu überleben. Wayétu Moore war fünf, als der Krieg ihre Kindheit im westafrikanischen Staat Liberia zerriss und sie über Sierra Leone in die USA flüchtete. Die Bilder, die sie sich damals schuf, um zu begreifen – Drachen für die Despoten, ein Riese für den Vater, der sie beschützt – rahmen die Geschichte. Erst als Erwachsene kehrt sie zurück, um diese Kindheitsmythologie noch einmal zu durchleuchten.
Was diesen autobiographischen Roman so besonders macht, ist Moores Sprache: bildreich, lyrisch, fast traumhaft, ohne dabei die Härte der Realität zu beschönigen. „Genau diese Mischung macht es zu einem echten Page-Turner – man will unbedingt wissen, wie es weitergeht“, findet Christine Tragler.
Keine Gewinner:innen
Zwei Augen auf gelbem Hintergrund darunter die Worte Yellowface: ein Cover, das hervorsticht. Milena Österreicher, die als freie Journalistin regelmäßig für das Südwind-Magazin schreibt, hatte Christina Schröder, Redakteurin für Asien und Amerika südlich der USA, das Buch empfohlen. Die Lektüre des Romans der 1996 in China geborenen, US-amerikanischen Schriftstellerin Rebecca F. Kuang (auf Deutsch erschienen bei Eichborn, Köln 2024, 384 Seiten, 24,70 €) erwies sich für sie als unvergesslich.
Kuang erzählt von June Hayward, einer erfolglosen, weißen US-amerikanischen Schriftstellerin und ihrer befreundeten Studienkollegin, Athena Liu, die als Kind mit ihren Eltern aus China emigrierte und zur Bestseller-Autorin geworden ist. Schon nach wenigen Seiten stirbt Athena bei einem skurril anmutenden Unfall in ihrer Wohnung im Beisein von June. Diese stiehlt ein unveröffentlichtes Skript über die weitgehend unbekannte Rolle chinesischer Arbeiter in Europa im Ersten Weltkrieg (übrigens eine reale Begebenheit, siehe Publikation der Universität Basel) und veröffentlicht es als ihr eigenes Werk.
Daraufhin geht es auf bitterböse Art und Weise um kulturelle Aneignung im US-amerikanischen Verlagswesen und in universitären Kreisen, um Plagiate, Shit-Storms in den sozialen Medien, um Rechtfertigungsversuche von June vor sich selbst und anderen – und nicht zuletzt auch um die Art und Weise, wie Athena von den Geschichten anderer profitiert hat.
Dass Kuang in erster Person aus Junes Perspektive erzählt und Athenas s Biographie ihrer eigenen ähnelt, verleiht der Geschichte eine satirische Facette. Dazu kommen viele weitere, darunter die Namen, die Kuang ihren Figuren verleiht.
Manches mag man aufgrund der Dichte überlesen und erst bei der zweiten Lektüre wahrnehmen. In diesem Sinne, aber auch in Bezug auf die Thematik, ist „Yellowface“ mit „Identitti“ von Mithu Sanyal vergleichbar.
Und: Der Eindruck, dass unterm Strich keine der Romanfiguren in dieser fiktiven, aber wohl nur leicht überzeichneten kulturkämpferischen Debatte als moralische:r Gewinner:in hervorgeht, mag am Ende die Lehre sein, die Lesende aus der mitreißenden und zum Nachdenken anregenden Lektüre ziehen können.
Diese Bücher und noch viele mehr sind erhältlich auf: www.suedwind-buchwelt.at
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