Michel Reimon / Christian Felber: Schwarzbuch Privatisierung

Was opfern wir dem Markt?

Von Albert Steinhauser
Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2003, 256 Seiten, EUR 19,95
Schonungslos rechnen die Autoren mit den Verfechtern der globalen Privatisierungspolitik und der herrschenden Marktgläubigkeit ab.
Gut nachvollziehbar wird der politische Aufstieg der Theorien der ursprünglich bedeutungslosen „Chicago Boys“ über Margret Thatcher und Ronald Reagan bis in die Gegenwart dargestellt. Die Autoren beleuchten auch die Rolle der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds, die sich als Vorreiter und Befürworter der Privatisierung gerieren. Belegt durch zahlreiche Beispiele werden die Vorgangsweise und fatalen Folgen der Privatisierungspolitik dargestellt.
So wird beispielsweise anhand der ehemaligen britischen Staatsbahnen British Rail dokumentiert, wie das Unternehmen filetiert, verkauft und so der Personennahverkehr in England sukzessive dem Ruin preisgegeben wurde. Unfälle auf Grund schlechter Wartung der Gleisanlagen, ein Tarifchaos und Verspätungen waren die Folge. Die Kosten der Schadensbegrenzung mussten dann wieder von der öffentlichen Hand getragen werden.
Sämtliche angesprochenen Themenfelder, wie unter anderem Wasserversorgung, Gesundheit, Energie oder Bildung, werden mit Beispielen belegt. Den Opfern der Privatisierungspolitik wird so in einer oft nur abstrakt geführten Debatte ein Gesicht verliehen. Die Autoren scheuen sich nicht darzustellen, dass Fragen der Privatisierung nicht nur auf der Ebene des politischen Diskurses Auswirkungen haben, sondern damit unweigerlich zahlreiche tragische Einzelschicksale verbunden sind.
Auf Grund der gut lesbaren Schreibweise ist das Buch auch für NichtökonomInnen zu empfehlen. Sämtliche Fakten und Zusammenhänge sind für NichtexpertInnen problemlos nachvollziehbar.

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