Thomas Kesselring: Ethik der Entwicklungszusammenarbeit

Von Erika Müller ·

Gerechtigkeit im Zeitalter der Globalisierung

Beck Verlag, München 2003, 290 Seiten, EUR 25,60
Sehr bildlich beschreibt der Autor Thomas Kesselring seine Absicht: über das Woher und Wohin der großen, sich stetig verbreiternden Slums und Elendsviertel zu philosophieren, und „die Philosophie aus dem akademischen Glaspalast heraus- und in die großen Slums hineinzutragen“.
Der Schweizer Ethiker und Philosoph Thomas Kesselring, der selbst jahrelang an brasilianischen Universitäten lehrte, arbeitet in dem vorliegenden Beitrag zum Nord-Süd-Konflikt auf zwei Ebenen, die er kongenial zusammenführt. Einerseits reflektiert er entwicklungspolitische Fragen ethisch und philosophisch, andererseits führt er PhilosophInnen und Philosophie-Interessierte in die Fragestellungen der Entwicklungspolitik ein. So erweitert Kesselring die Debatte um Globalisierung, die bislang mit einer „hemisphärenbedingten Perspektivenblindheit“ (Kesselring) geschlagen war, und leistet einen wichtigen Beitrag zur Debatte rund um den so genannten Nord-Süd-Konflikt. Denn spätestens seit der letzten WTO-Tagung in Cancún ist unverkennbar, dass der „Süden“ nicht länger brav an der Leine des reichen „Nordens“ gehen will.
Im ersten Teil des Buches untersucht Kesselring die philosophische Diskussion um Gerechtigkeit und Entwicklungshilfe anhand der Ideen von John Rawls und Amartya Sen. Dabei gelingt es dem Autor, philosophische Einsichten mittels empirischer Untersuchungen kritisch zu hinterfragen. Der zweite Teil des Buches widmet sich ausführlich und systematisch den Vor- und Nachteilen von Globalisierung. Inwieweit die optimistische Prognose des Autors stimmt, dass mit Hilfe von Basisgruppen und Nichtregierungsorganisationen eine andere Politik der Entwicklungszusammenarbeit betrieben werden kann, sei dahingestellt.

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