Mit Gift und Genen. Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert

Von Gernot Neuwirth ·

Marie-Monique Robin

Sachbuch, aus dem Französischen übersetzt von Dagmar Mallett. dva, München 2009, 463 Seiten, € 20,60

Ab 1989 sterben in den USA 100 Menschen an einer mysteriösen Krankheit, 5.000 werden behindert oder gelähmt. Alle haben das Medikament „L-Tryptophan“ der einzigen Firma, die es gentechnisch erzeugt, eingenommen. Das normal produzierte L-Tryptophan aller anderen Erzeuger hat solche Nebenwirkungen nicht. In geheimer Sitzung der US-Lebens- und Arzneimittelbehörde nennt der zuständige Spitzenbeamte die gentechnische Herstellung als möglichen Grund für die Katastrophe.

Kurz darauf behauptet er jedoch, über etwaige Gefahren gentechnischer Produktionsmethoden sei ihm nichts bekannt. Damit ermöglicht er seiner Behörde die Erfüllung des Wunsches der Regierung Bush senior, der Biotechnologie um jeden Preis den Weg zu ebnen und das politisch – nicht wissenschaftlich – motivierte Dogma der „substanziellen Äquivalenz“ zu erfinden: Gentechnisch manipulierte Organismen seien natürlichen derart ähnlich, dass sich spezielle Prüfungen wie etwa Langzeitstudien erübrigen.

Ein Film (arte-Dokumentation), von Robin parallel zu ihrem Buch gedreht, zeigt u.a. Bush senior – damals Reagans Vize – zu Besuch bei einer anderen Firma, in der bald nicht nur linke Kapitalismuskritiker die Verkörperung des Bösen in der Wirtschaft sehen: Die Gentechniker des Chemieriesen Monsanto setzen Bush unter Druck, er müsse dafür sorgen, dass die Zulassung ihrer Produkte stark vereinfacht werde, sonst …
Bush verspricht zu intervenieren. Damit beginnt die haarsträubende Geschichte von Monsantos massiven Bestrebungen, sich mit manipulierten Forschungsarbeiten, Terror gegen Bäuerinnen und Bauern sowie JournalistInnen, gegen anständige BeamtInnen und WissenschaftlerInnen, und in engster „Zusammenarbeit“ mit höchsten PolitikerInnen und SpitzenbeamtInnen die weltweite Beherrschung des Saatgutmarktes zu sichern und natürliche durch genetisch manipulierte Pflanzen zu verdrängen. In Nordamerika geht die Strategie auf: In Kanada kann man Raps und Soja nicht mehr biologisch züchten, weil die transgenen Sorten durch Windverwehung alle Felder kontaminiert haben. Die geschädigte Bauernschaft wird dann noch geklagt, weil sie ja keine Monsanto-Lizenz hat.

Robin bringt eine erste, hervorragend recherchierte Zusammenschau. Ein realer Krimi, aufregender und schockierender als jeder erfundene. Und Pflichtlektüre für verantwortungsbewusste ZeitgenossInnen.

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