Naomi Klein: Über Zäune und Mauern

Berichte von der Globalisierungsfront

Von Meike Lauggas
Übersetzt von Heike Schlatterer und Helmut Dierlamm. Campus Verlag, Frankfurt/M.-New York 2003, 304 Seiten, EUR 18,40

Ein Mosaik besticht in der Gemeinsamkeit der Steinchen - und unter dieser Perspektive ist das neue Buch der Autorin von „No Logo“, Naomi Klein, zu beurteilen. Diese „Berichte von der Globalisierungsfront“ wurden zwischen 1999 und 2002 in diversen US-amerikanischen Zeitschriften und Zeitungen publiziert und liegen nun gesammelt als Buch vor.
Die 42 Artikel beziehen sich auf Ereignisse oder Aussagen im Kontext der neoliberalen Globalisierung und des globalen wie lokalen Widerstandes dagegen: Klein schreibt u.a. über Aktionen einer Obdachloseninitiative in Toronto und über die ungleiche Bewertung des Todes des italienischen Demonstranten Carlo Giuliani im Verhältnis zu Toten aus dem globalen Süden; sie analysiert die realen Zahlen des Freihandelsabkommens NAFTA und die definitorische Gleichsetzung von Freihandel mit demokratischer Freiheit. Sie erklärt, was ATTAC ist; legt Einschüchterungsstrategien und Gewalteinsätze der Polizei bloß, reklamiert westeuropäische Sozialdemokratien und Gewerkschaften in die Verantwortung zurück. Von Subcomandante Marcos poetisch inspiriert, stellt sie Überlegungen an, wie eine „andere Welt“ möglich sein könnte; sie hinterfragt das globale „Wir“ des Protests und setzt es gleichzeitig strategisch ein, wobei sie sich selbst nie als Außenstehende positioniert, sondern als Aktivistin-Journalistin, die vermitteln und zugleich verändern will.
Die einzelnen Artikel sind oft zu kurz; insgesamt bietet der Band keine vertiefende Analyse, sondern mehr eine lebendige, mal demaskierende wie auch amüsante Nachlese von Bewegungen, flott geschrieben, aber auch schockierend und aufrüttelnd: schließlich benennt Klein die Orte der Konflikte als Front.

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