Nicht einmal gut gemeint

Von Dominic Johnson ·

Mugabes Landreform wird unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit durchgeführt.

In Simbabwe gehörte 1980 zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit etwa ein Drittel der Landesfläche 4500 weißen Farmern, die etwa 6000 kommerzielle Agrarbetriebe („Commercial Farms“) unterhielten und damit 40 Prozent des Bruttosozialprodukts erwirtschafteten. Weitere 40 Prozent Simbabwes waren ehemalige Schwarzenreservate („Communal Lands“), der Rest des simbabwischen Territoriums bestand aus Staatsland, Stadtgebieten sowie Naturschutzgebieten.

Versuche, diese extrem ungleiche Landverteilung zu verändern, gab es schon immer, zumeist in Zusammenarbeit zwischen der Regierung Simbabwes, dem Farmerverband CFU und der Regierung der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien, die insgesamt 44 Millionen Pfund für den Ankauf von Land zur Verfügung stellte. Zwischen 1980 und 1998 wurden sechs Millionen Hektar weißes Farmland umverteilt, etwa ein Viertel des Gesamtbestandes, und 117.000 schwarze Familien mit jeweils durchschnittlich fünf Mitgliedern darauf angesiedelt.

Zwischen Oktober 1998 und den Parlamentswahlen im Juni 2000 wurden auf weiteren 1,5 Millionen Hektar 4696 weitere Familien angesiedelt. So wurden in den ersten 20 Jahren nach der Unabhängigkeit etwas über ein Drittel des weißen kommerziellen Landbesitzes umverteilt.

Nach den Parlamentswahlen vom Juni 2000 startete die Regierung Simbabwes eine „beschleunigte Landreform“, die zur Enteignung von 3270 weißen Farmbetrieben mit insgesamt fünf Millionen Hektar führen soll. Bis Jahresende 2000 war dieses Programm nach amtlichen Angaben mit der Ansiedlung von 50.000 Familien auf 2,5 Millionen Hektar zur Hälfte erfüllt.

Die Ansiedlung landloser Familien auf besetzten Farmen hat mit gerechter Landumverteilung so gut wie nichts zu tun. Oft wird das Land von den Besatzermilizen parzelliert und dann zu Wucherpreisen an Landlose verpachtet. Die auf diese Weise Angesiedelten erhalten keinerlei Starthilfe und ziehen oft bei der erstbesten Gelegenheit wieder ab.

Überhaupt nicht berücksichtigt werden bei der Landumverteilung diejenigen, die das Land bisher bewirtschafteten – die Farmarbeiter und ihre Familien, insgesamt zwei Millionen Menschen, die bei den Landbesetzungen meistens vertrieben werden. Viele von ihnen stammen ursprünglich aus Mosambik und Malawi und haben daher keinen Anspruch auf Landbesitz in Simbabwe. Die anderen werden von den Milizen als Kollaborateure der weißen Farmer gesehen und verfolgt.

Dominic Johnson ist Afrika-Redakteur der Berliner Tageszeitung ”taz“.

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