Nicht schöner, aber intelligenter

Von Simone Holzer ·

In diesem Jahr kommen auch in Österreich fair gehandelte Bananen auf den Markt. Mit Helmut Adam, dem Geschäftsführer von TransFair Österreich, sprach SÜDWIND-Mitarbeiterin Simone Holzer.

Frage: Wann kommen Bananen mit dem TransFair-Siegel in Österreich in den Handel? Welche Bedingungen sind an das Siegel gebunden?

Die TransFair-Banane wird es in Österreich ab September 1999 geben.

An das TransFair-Siegel sind die Bedingungen des fairen Handels gebunden. Das heißt, daß den Produzenten ein fairer Preis und den Plantagenarbeitern faire Löhne gezahlt werden, daß die entsprechenden Sozialstandards eingehalten werden und daß es sich um Direktbezug handelt. Auf der ökologischen Seite geht es um den Verzicht auf bestimmte Pestizide. Auf sozialer Seite darum, daß die Arbeiter auf den Plantagen bei der Verwendung von Pestiziden entsprechend geschützt werden.

Frage: Wie wird die Einhaltung dieser Bedingungen kontrolliert und von wem?

Unsere Monitoring-Spezialisten besuchen mindestens einmal im Jahr jede Gruppe und überprüfen die Einhaltung der Richtlinien.

Frage: Die Banane ist das erste Frischeprodukt im fairen Handel. Gestaltet sich ihre Aufnahme in die Produktfamilie als besonders schwierig?

Frische Früchte gehorchen anderen Spielregeln, als all die anderen Produkte, die wir bisher „besiegelt“ haben. Die Logistikkette ist sehr viel komplizierter.

Frage: Haben Se schon Plantagen ausgewählt, von denen die Bananen kommen?

Das machen unsere Bananenspezialistinnen und -spezialisten. Die ersten fair gehandelten Bananen wurden in den Niederlanden 1996 eingeführt. Schon vorher wurden die Produzentengruppen für den fairen Handel ausgewählt.

Es gibt genaue Richtlinien, an die sich kleinbäuerliche Betriebe und Plantagenbesitzer halten müssen, um auf unser Register zu kommen.

Frage: Um wieviel, glauben Sie, sind die KonsumentInnen bereit, für Bananen aus fairem Handel mehr zu bezahlen?

Laut einer EU-Befragung wollen etwa 60 Prozent der EU-Bürger fair gehandelte Bananen kaufen. Ungefähr die Hälfte davon ist bereit, einen Mehrpreis von etwa 10 Prozent zu bezahlen.

Frage: Wie könnte die Zukunft des Bananenanbaues aussehen? Welche Innovationen in den Bereichen Ökologie und Genforschung halten Sie für möglich?

In Lateinamerika sind sehr viele Bananenplantagen von der Black-Sigatoga-Krankheit befallen. Sie ist nur chemisch zu bekämpfen. Die Zukunft ist also nicht die Bio-Banane, aber die Öko-Banane nach TransFair-Kriterien.

Wenn es um Innovationen geht, ist auf dem Sektor Gentechnik einiges denkbar. Es gibt Überlegungen von Pharmafirmen, die Banane als „Transportmittel“ für Arzneien einzusetzen.

Im Bereich Ökologie wäre die Innovation eigentlich die Rückkehr zum Mischanbau mit anderen Produkten.

Uns von TransFair ist es sehr wichtig zu vermitteln, daß der optische Eindruck einer Banane nicht Aufschluß über die Qualität des Produktes gibt. Die FairTrade-Bananen sollen nicht schöner sein, sondern intelligenter produziert.

Wir danken für das Gespräch!

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