Nicht von außen aufgezwungen

Kambodscha 11/2003

Von Laurent Straskraba
Mit großem Interesse habe ich den Artikel von Raimund Weiss über den WTO-Beitritt Kambodschas gelesen. Ich interessiere mich schon seit ca. 15 Jahren für das Land und war auch im Sommer 2002 selbst vor Ort. Der Bericht gibt sehr gut die wirtschaftspolitische Situation Kambodschas wieder, das mit dem Investment Law bereits seit 1994 ganz offiziell seine geringen Steuer-, Investitions- und Arbeitskosten bewirbt. Es ist also nicht so, dass die „bösen“ multinationalen Unternehmen das dem Land aufgezwungen hätten, wie man dies öfters anderswo kritisiert, sondern es wird versucht, das als „Least Developed Country“ eingestufte Kambodscha mit Auslandsinvestitionen und Exportorientierung wirtschaftlich zu verbessern. Dafür scheint man viel zu opfern. Dem Autor muss man sicher Recht geben, dass die Textilindustrie der derzeit wichtigste Ausfuhrsektor ist. Dazu muss man auch wissen, dass durch die (Bürger-)Kriegszustände der letzten Jahrzente keine Weiterqualifizierung der Kambodschaner stattgefunden hat. Intellektuelle sind unter den Roten Khmer die ersten Opfer gewesen oder wenn möglich geflüchtet und haben sich in der neuen Heimat eine Zukunft gesucht. Daher, wie auch aufgrund mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten im Inland, sind die Menschen dieses – übrigens wunderschönen und herzlich freundlichen – Landes oft dem Goodwill ausländischer Geschäftsleute ausgeliefert.
Was meiner Ansicht nach weitgehend fehlt ist eine bildungsorientierte Entwicklung, die es den Kambodschanern ermöglicht in anderen Sektoren – z. B. Tourismus oder Handel – Beschäftigung zu finden und bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen.

Laurent Straskraba
4040 Linz

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