Nichtregierungsorganisationen in der Transformation des Staates

Von Monika Kalcsics ·

Ulrich Brand, Alex Demirovic, Christoph Görg, Joachim Hirsch (Hrsg.)

Für den Politologen Joachim Hirsch ist der Begriff „Nichtregierungsorganisation“ (NGO) eine Art „Catch-All-Bezeichnung“. Ein Gewirr von Selbst- und Fremdzuschreibungen, in dem das „Nicht“ zu wenig ernst genommen werde. Das „Nicht“ bezeichne keine klare Positionierung im gesellschaftlich-politischen Gefüge, insbesondere was das Verhältnis zu den Staatsapparaten auf nationaler wie internationaler Ebene angeht. Der Begriff NGO diene in der Regel als „höchst unspezifische Etikette“, die völlig Unterschiedlichem angeheftet werde. „Das damit verbundene Dilemma drückt sich in ironisierenden Kürzeln wie QUANGOs (quasi nongovernmental organisations) aus“, so der Autor.

Besonders deutlich wird die Semi-Unabhängigkeit von NGOs bei deren Finanzierung. Dazu liefert der Politologe Roland Roth eine bestechende Zahl: 51,3 Prozent der NGOs in Deutschland sind von öffentlicher Finanzierung abhängig. Was macht nun tatsächlich eine NGO aus? Die sieben Autoren kommen in der vorliegenden Publikation darüber überein, dass es keinen Konsens über eine gemeinsame NGO-Definition gibt. Roland Roth nähert sich einer Standortanalyse, indem er die wesentlichen Streitpunkte rund um den NGO-Begriff skizziert: a) spezifische versus allgemeine NGO-Konzepte, b) lokale, regionale und nationale NGOs versus transnationale NGOs und c) nur die „Guten“ oder alle?

In der Diskussion um die inhaltliche Ausrichtung von NGOs vermissen die Autoren grundsätzliche gesellschafts- und staatstheoretische Überlegungen. Die Internationalisierung des Staates führe zu neuen politischen Terrains. Die NGOs seien daher aufgefordert, die Form ihrer Einbindung in staatliche Politiken sorgfältig zu reflektieren. Erst wenn die sich verändernden Bedingungen einen permanenten Gegenstand der strategischen Analyse bilden, können auch die Chancen genutzt werden, um bestimmte Kritiken wirkungsvoll zu platzieren.

Westfälisches Dampfboot, Münster 2001, 182 Seiten, öS 218,-.

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