Globaler Widerstand

Von Werner Hörtner ·

Was in den Ländern des Südens schon seit Jahrzehnten Tradition hat – der organisierte Widerstand gegen ein ungerechtes, ausbeuterisches Weltwirtschaftssystem und die Zerstörung materieller und kultureller Lebensräume – schwappt nun auch in den Norden über. Denn die geographischen Zentren des Reichtums sind längst nicht mehr jene Inseln des Wohlstands, als die sie noch bis in die 80er Jahre hinein galten.

„Es geht nicht um die Erste und die Dritte Welt, um Nord und Süd“, wird die führende indische Umweltaktivistin Medha Patkar in einem der folgenden Beiträge zitiert: „Alle, die die Folgen der herrschenden Wirtschaftspolitik zu spüren bekommen, schließen sich nun zusammen, um eine neue Weltordnung zu schaffen, in der die Menschen im Mittelpunkt stehen“. Und auch bei uns steigt die Zahl der Ausgeschlossenen, der Arbeitslosen, jener Menschen, die von einem erbarmungslosen Wirtschaftssystem – und einer willfährigen Politik – an den Rand gedrängt, in Angst und Unsicherheit versetzt werden.

Als „globale Intifada“ ist dieser Widerstand gegen die Globalisierung, gegen den Neoliberalismus bezeichnet worden, als „globaler Mai 68“, als „Pulverfass des 21. Jahrhunderts“. Tatsächlich trägt er von allen diesen Merkmalen etwas in sich. Mit der palästinensischen Intifada könnte man die Jugend seiner AkteurInnen und die Übermacht des Gegners vergleichen, mit dem Pariser Studentenaufstand die breite Sympathie, auf die die Anliegen in der Bevölkerungsmehrheit stoßen, allen medialen Verteufelungsversuchen zum Trotz. Und ein Pulverfass ist es allemal, was sich da zusammenbräut. Eine Wirtschaftspolitik, in der der „Humanfaktor“ genauso wenig eine Rolle spielt wie die Verantwortung für die kommenden Generationen, in der Mensch und Umwelt nur eine Rechengröße des Profits darstellen, schafft in politischer und ökologischer Hinsicht eine explosive Lage.

Explosiv auch die mögliche Radikalisierung der Auseinandersetzungen, wie es jüngst Göteborg und Genua gezeigt haben. Die Träger des wirtschaftspolitischen Globalisierungsprojekts auf internationaler Ebene und ihre nationalen Statthalter befinden sich in einer tiefen Legitimationskrise, was zu einer Zunahme der staatlichen Repression führen kann und teilweise auch bereits führt.

Es scheint ein Riss durch die Geschichte zu gehen. „Es etabliert sich wieder ein linker, antikapitalistischer Diskurs, der bis weit in die Bevölkerung hinein Sympathie findet“, musste die deutsche „Zeit“ anerkennen. Die „Globalisierung von unten“, die sich Subcomandante Marcos vor Jahren im lakandonischen Urwald erträumte, ist heute bereits zumindest ansatzweise Wirklichkeit. Stehen wir am Beginn einer neuen Revolution, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt der Geschichte stellt? Zwei Beiträge von den folgenden zehn Thema-Seiten haben wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen.

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