Nur die Wahrheit macht uns frei. Mein Leben zwischen Islam und Christentum

Von Redaktion ·

Sabatina James

Autobiographie. Verlag Pattloch, München 2011, 283 Seiten, EUR 17,20

„Man kann mich ermorden, aber nicht meinen Mut, meine Zivilcourage, nicht das, was ich durchgemacht habe und wodurch ich vielen anderen Menschen Hoffnung gegeben habe. Das ist mein Lebensprinzip, die Saat, die ich säe.“ Mit diesen Worten schließt die Autorin ihr autobiographisches Bekenntnis. Wird das Opferschutzprogramm, in dem sie seit Jahren in Deutschland lebt, stark genug sein, um die Häscher von ihr abzuhalten?

Der Vater der Autorin, ein pakistanischer Gastarbeiter, der schon in den 1980er Jahren nach Oberösterreich kam, holte 1992 seine Familie – eine Frau und vier Kinder, darunter auch die gerade 10-jährige Sabatina – aus Pakistan in seine Wahlheimat. Familienzusammenführung, damals noch leichter zu bewerkstelligen als heute. Die Familie wohnte in Sarleinsbach, einem kleinen Ort im Mühlviertel.

Mit 17 Jahren wird Sabatina von ihren Eltern auf eine Koranschule nach Pakistan geschickt – mit dem Ziel, mit ihrem Cousin Salman zwangsverheiratet zu werden. Doch das junge Mädchen weigert sich: „Schon bei der ersten Begegnung hatte ich gewusst, dass ich ihn nicht lieben könnte.“ Damit beginnt die Tragödie. Sabatina kehrt nach Österreich zurück, doch durch ihre Weigerung hat sie sich nach Meinung ihrer Familie und ihrer pakistanischen Verwandten und Bekannten außerhalb der Religion gestellt. Ihre Familie spricht ein Todesurteil gegen sie aus.

Sabatina flüchtet nach Wien, später nach Deutschland, wo sie einen Verein für muslimische Frauen und verfolgte Christen gründet – sie war nämlich zum Christentum konvertiert, die zweite Todsünde der jungen Pakistanin. Die Erfahrung der totalen Rechtslosigkeit, der Unterdrückung, der Verachtung der Frau in ihrer Heimat, die Sabatina am eigenen Leib erlebt hat, führt sie auf den Einfluss der Religion in den islamischen Gesellschaften zurück. Und zitiert, als ehemalige Koranschülerin, immer wieder Suren. Etwa die Sure 4,34: „… und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.“ Die Autorin macht es mit ihrer radikalen Kritik am Islam den Leserinnen und Lesern – gerade den „aufgeschlossenen“ – nicht leicht.

Ein Buch, das eine ehrliche Annäherung erfordert und viel offene Diskussion verdient.
Werner Hörtner

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