Ökonomie der internationalen Entwicklung. Eine kritische Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Elisabeth Springler, Johannes Jäger

Sachbuch. Mandelbaum Verlag, Wien 2012, 380 Seiten, Euro 19,80

„Die Spezialisten wissen zunehmend mehr und mehr über weniger und weniger“, kritisierte der 2010 verstorbene Ökonom Kurt Rothschild die zunehmende Konzentration auf Teilprobleme und die mangelnde Berücksichtigung der großen Zusammenhänge in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Ohne Zweifel sind interdisziplinäre und multi-paradigmatische Ansätze im modernen Wissenschaftsbetrieb unterrepräsentiert. Diesen Mangel wollen Johannes Jäger und Elisabeth Springler lindern und verlassen in ihrer „Ökonomie der internationalen Entwicklung“ die eindimensionalen Pfade klassischer Einführungen in die Volkswirtschaftslehre.

Die Wirtschaftswissenschaft wird in diesem Buch nicht als geradliniger Prozess der Erkenntnisgewinnung dargestellt, sondern als eine durch den paradigmatischen Diskurs befruchtete, dialektische Entwicklung beschrieben. Deshalb wird eine chronologische Abfolge der ökonomischen Lehrmeinungen auf ein Einleitungskapitel reduziert, auf welches die Gegenüberstellung relevanter volkswirtschaftlicher Themengebiete aus Sicht der drei großen Denkschulen – Neoklassik, Keynesianismus und Politische Ökonomie – folgt.

Die Auswahl der Kernthemen ist äußerst gelungen, wobei das Spektrum von Ansichten über Staat und Gesellschaft bis hin zu diversen geld- und finanzpolitischen Standpunkten reicht. Im Fokus stehen aber auch die unterschiedlichen Blickwinkel auf aktuelle Debatten zu Wachstum, Krise und Verteilung. Abgerundet wird das Buch durch zahlreiche Beiträge von GastautorInnen zu zeitgemäßen wirtschaftspolitischen Diskussionen. So werden alternative Instrumente zur Wohlstandsmessung vorgestellt, Konzepte der feministischen Ökonomie erläutert oder globale Beziehungen zwischen Nord- und Südhalbkugel analysiert. Diese Vertiefungstexte runden das Buch nicht nur gelungen ab, sondern treffen auch den Puls der aktuellen Diskussionen in den Wirtschaftswissenschaften.

Wer also differenzierte Blickwinkel auf die Volkswirtschaftslehre kennen lernen möchte, erhält auf rund 380 Seiten einen umfassenden Überblick in einer Sprache, die auch für Interessierte ohne ökonomische Vorkenntnisse verständlich ist.
Matthias Schnetzer

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