Öl: ein Auslaufmodell

Editorial: Wettlauf mit der Zeit

Von Irmgard Kirchner
Öl ist mehr als ein Rohstoff unter anderen. Öl treibt unsere Wirtschaft an, unsere Politik, unsere Gesellschaft... Öl als Lebensgrundlage ist für uns so selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken. Etwa darüber, dass der Verbrauch von fossilen Brennstoffen das Gegenteil von nachhaltig ist: Erdöl, von der Natur in Millionen von Jahren gebildet, wird innerhalb weniger hundert Jahre verbraucht. Mit zukünftigen Entdeckungen großer Vorkommen ist kaum mehr zu rechnen.

Die Ölfirmen verzeichnen Rekordgewinne, der Ölpreis erreicht Rekordhöhen. Wer darüber jammert, denkt selten an den wahren Preis des Erdöls: die Kosten an Umwelt und an Menschen. Die Erdölförderung macht riesige Landstriche unbewohnbar, deren BewohnerInnen werden vertrieben, Flora und Fauna zerstört. Die Emissionen bei der Verbrennung fossiler Energieträger schädigen die Erdatmosphäre dauerhaft. Der Zugang zum Erdöl war und ist ein Grund, Kriege zu führen.

Der Erdölverbrauch ist weltweit extrem ungleich. Die BewohnerInnen der USA verbrauchen pro Kopf 45mal mehr Benzin als jene von China.

Die vier großen Erdölkonzerne gehören zu den mächtigsten Unternehmen der Welt.

Der Großteil des Öls wird jedoch von nationalen Unternehmen gefördert, etwa in Saudi-Arabien, in Mexiko, in Venezuela, im Iran? Vom Öl profitieren oft nur die Eliten. Negatives Paradebeipiel ist Nigeria. Nicht nur dort, sondern weltweit regt sich der Widerstand der Bevölkerungen in den Fördergebieten. Doch auch in den Entwicklungsländern ist Erdöl derzeit unverzichtbar. Steigende Preise führen in armen Ländern zu ökonomischen Katastrophen.

Auf den folgenden Thema-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist in Oxford übernommen haben, wird ein rasches Umdenken gefordert. Das Ölzeitalter nähert sich seinem Ablaufdatum. Doch es hat den Anschein, als müsse das Öl bis zum letzten zähen Tropfen fließen. Ein Umstieg auf erneuerbare Energieträger ist unvermeidbar. Er wird zum Wettlauf mit der Zeit. Und 25 Jahre dauert nach seriösen Schätzungen ein Umstieg der europäischen Energiewirtschaft auf erneuerbare Energieträger.


Erdöl ? die Tatsachen

Erdöl ist der Lebensnerv der Weltwirtschaft. Ob im Verkehr, in der petrochemischen Industrie oder in der Landwirtschaft, überall ist Erdöl lebenswichtig. Eine Hand voll Konzerne und Produzentenländer kontrollieren die weltweite Erdöl- und Erdgasindustrie, und sie gehören zu den reichsten und mächtigsten Interessengruppen der Welt. Trotz der Gefahr der Erderwärmung geht die Verbrennung fossiler Brennstoffe ungehindert weiter.

Fossile Brennstoffe

Der Verbrauch von Kohle, dem schmutzigsten fossilen Brennstoff, hat im vergangenen Jahrhundert vor allem durch die Errichtung kohlegefeuerter Kraftwerke um das Vierfache zugenommen. Der Erdölverbrauch stieg um das 160fache, und der Erdgaskonsum nahm um das 240fache zu.

Verbrauch fossiler Brennstoffe, 1900 und 1999
(in Millionen Tonnen Erdöläquivalent)

Kohle: 501 (1900) - 2122 (1999)
Erdöl: 18 (1900) - 2940 (1999)
Erdgas: 9 (1900) - 2173 (1999)


Die Artikel dieses Themas wurden zuerst im Monatsmagazin "New Internationalist" (Ausgabe Juni 2001) veröffentlicht. Wir danken den KollegInnen in Oxford für die gute Zusammenarbeit. Der "New Internationalist" kann unter der Adresse P.O.Box 79, Hertford, SG141AQ, U.K., bezogen werden (Jahresabonnement: 26,85 Pfund; Telefon 0044/171/82 28 99). Redaktionelle Bearbeitung und Kürzung der Artikel: Irmgard Kirchner. Übersetzung: Robert Poth.


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