Pakistans Geschichte in sieben Schritten

Von Jakob Rösel · · 2023/Mar-Apr
Ein gutes Fundament fehlt: Pakistan stand von Anfang an auf wackligen Beinen. © ipsum Projekt „InterViews“, Fotografin: Sadia Razaq, Pakistan/Lahore 2022

Der Gründung von Pakistan lag keine Idee, kein Programm zugrunde: Die Entwicklung von P.a.k.i.Stan in sieben Schritten.

Großbritannien soll eine gute Kolonialmacht gewesen sein, aber miserabel in der Dekolonialisierung, Frankreich umgekehrt – so ein Witz. Der Unabhängigkeitsprozess Britisch-Indiens wäre dafür ein Paradebeispiel. Weil die säkulare indische Kongress-Bewegung Indiens Unabhängigkeit forderte, unterstützt Großbritannien die Muslim-Eliten als neue Partei. Das Resultat ist die 1906 gegründete All-Indische Muslimliga. Sie wird aufgebaut von einem Rechtsanwalt, dem säkularen Ali Jinnah. Die Vorstellung eines separaten Staates für die Muslim:innen gilt noch als „Studentenidee“. Tatsächlich hatte ein Student P.a.k.i.stan in London entworfen. Dabei steht P für Punjab, A für Afghanistan, K für Kaschmir, I für Sindh/Indus und Stan für Belutschistan. Pakistan bedeutet auch „Land der Reinen“. Pakistan sollte das Resultat einer doppelten Abspaltung werden: 1947 im Rahmen der Teilung Britisch-Indiens; und zweitens 1971, mit der Abspaltung Ost-Pakistans als Bangladesch (vgl. Karte weiter unten).

Ein britischer Fachbeamter, Cyril Radcliffe, der Indien nicht kennt und noch nie besucht hat, wird 1947 eingeflogen und zieht neue Grenzen.

Ab dem 14. August 1947 gibt es ein unabhängiges Indien und mit Pakistan einen neuen Staat, der auch das spätere Bangladesch im Osten einschließt. Am Tag der Teilung wachen etwa in der nunmehr geteilten Provinz Punjab Millionen von Hindus, Sikhs und Muslim:innen auf der „falschen“ Seite einer bislang inexistenten Grenze auf. Die Spaltung zwischen Hindu- und muslimischer Bevölkerung dominiert das Geschehen. Es kommt zu bislang unvorstellbaren Massakern und Fluchtbewegungen. Insgesamt werden im Westen zwölf Millionen Menschen vertrieben, vermutlich eine Million Menschen werden erschlagen. Im Osten verläuft die Teilung relativ friedlich.

Da aus dem Indus-Tal und der ersten pakistanischen Hauptstadt Karatschi alle Hindu-Beamt:innen verschwunden sind, versucht eine neue Intelligenzia – die Muhajir (muslimische Flüchtlinge aus Indien, Anm. d. Red.) –  rund um die Muslimliga von Politiker und Staatsbegründer Jinnah einen neuen Staat aufzubauen.

I. Die Punjabisierung Pakistans. Die 1950er Jahre: Schon der erste Schritt für eine staatliche Strukturbildung wird verstolpert – die Verabschiedung einer Verfassung und die Durchführung allgemeiner Wahlen. Stattdessen blockiert sich die Muslimliga mit Intrigen und ständigen Kabinettsumbildungen selbst. In neun Jahren ohne Wahlen werden sieben Premierminister verbraucht. Der Grund: Pakistan ruht auf einem Ungleichgewicht. Rund sechzig Prozent der Bevölkerung leben im 1.800 Kilometer entfernten, dicht bevölkerten bengalischen Ost-Pakistan, rund vierzig Prozent im Westen. Gemäß „one man, one vote“ läge die Macht rasch bei den Bengal:innen im Osten. Wie kann die Machtkontrolle für den Westen, für die Liga und die Muhajir entgegen der realen Mehrheitsverhältnisse gesichert werden? An diesem Problem zerbricht die Erste Republik. Das Problem der Einbindung Ost-Pakistans verschärft sich zusätzlich aufgrund einer weiteren ethno-politischen Verschiebung.

Diese entspringt den innerhalb des Westens existierenden, weiteren Ungleichgewichten, allen voran denjenigen des Westpunjab. Er umfasst gerade ein Viertel des Territoriums, aber hier lebt rund die Hälfte der Bevölkerung West-Pakistans. Die anderen Provinzen zählen zunächst nichts. Es sind die übermächtigen Eliten des Punjab, die der Muhajir-Intelligenzia in den 1950er Jahren den Rang in der Staatsführung und Verwaltung ablaufen.

Die Punjabisierung des Staates schiebt das ethnopolitische Ost-West Problem auf die lange Bank und macht es zwei Jahrzehnte unsichtbar, am Ende unlösbar. Entscheidend für das Überleben des unfertigen Staates wird eine bis heute fortdauernde strategische Allianz mit den USA. Es ist die Zeit des Kalten Kriegs. Für einen Südostasienpakt und im Namen der Dekolonialisierung geht Indien auf Distanz mit den USA und setzt auf Blockfreiheit.

Das Bündnis USA-Pakistan wird von Anfang an, d. h. vor allem ab 1953, parallel zwischen den Regierungen und zwischen den Militärs eingefädelt. Dabei steht General Ayub Khan im Mittelpunkt der außenpolitischen Verhandlungen mit den USA. Das Bündnis bringt für Pakistan zukünftig US-Kredite, Technologien, Finanzspritzen, Diplomatie und Dienstleistungen. Das rettet den prekären Staat wieder und wieder: nach seinen Kriegen, Wirtschaftskrisen, Putschen und Provokationen.

Wenig später überzeugt General Ayub Khan innenpolitisch die handlungsunfähige Karatschi-Regierung von einer einstweiligen Lösung der Herausforderung mit dem bevölkerungsreichen Ost-Pakistan: ein Zweiterritorien-Wahlrecht à la „One Unit“. „50 Prozent zu 50 Prozent“ soll die Teilhabe Ost-Pakistans ab 1956 möglich machen, ohne es dominieren zu lassen. Sollte dabei das Parlament oder die Regierung nicht entscheidungsfähig sein, dann sichern die nationalen Kräfte, die Verwaltung und die Armee den Zusammenhalt. Die Eliten sind als Einheitsgarant:innen gefragt – und sie sind überfordert. 1958 folgt ein Putsch. Jubelnd begrüßen in Karatschi die Honoratior:innen und deren Gefolgsleute Putschgeneral Ayub Khan. Punjabistan als Militärstaat beginnt.

II. Militärherrschaft. Feldmarschall und Staatspräsident Ayub Khan ist in den 1960ern der perfekte, anglisierte Modernisierer für die Kennedy- und Johnson-Jahre, für die Zeiten der „Entwicklungsdiktatur“. Unter Ayub Khan werden die Grundlagen dessen gelegt, was inzwischen als „military incorporated“, als militärische Parallel-Ökonomie und „Staat im Staate“ beschrieben oder kritisiert wird. Auf britischen Vorgängerprojekten aufbauend, werden entlang des Indus riesige neue Staudämme und Kanalsysteme errichtet.

Das Militär selbst wird zum Hauptgewinner dieser immensen Anbau- und Kanalerschließung. In allen neuen Bewässerungsabschnitten erhalten die mittleren und höheren Militärs Grundstücke und Beteiligungen. Mithilfe intransparenter Finanzquellen betreibt das Militär Bäckereiketten, Fluglinien, Transportgesellschaften, Bau- und Zementindustrien, Wohnbaugesellschaften, Hotelketten, Reisebüros, Kreditinstitute und Shopping Malls. Das Militär verfügt zudem über eigene Bankensysteme.

Strategisch folgt 1965 eine Überlebensprobe. Ayub Khans ehrgeiziger und charismatischer Außenminister, Zulfikar Ali Bhutto, überredet den alternden Feldmarschall, gegen Indien einen Angriffskrieg zu führen. Der Plan geht schief, Indien antwortet militärisch, indische Panzerkolonnen stehen kurz vor Lahore im Nordosten Pakistans. Es folgen demütigende Friedensverhandlungen. Die USA haben Pakistan in dem Debakel im Stich gelassen, glaubt das Militär. Sie suchen sich – zunächst diskret – einen weiteren Bündnisgenossen, China. Bhutto gibt Ayub Khan die Schuld für die Niederlage, tritt zurück und gründet die erste große Konkurrenzpartei der Muslimliga, die Pakistan Peoples Party (PPP).

© SWM / NordNordWest / CC BY-SA 3.0 / commons.wikimedia.org

Historisch geeint, und wieder getrennt: Zwischen 1948 und 1971 umfasste Pakistan einen West- und einen Ostteil. Die von Anfang an schwierige Union zerbrach nach 23 Jahren, aus dem östlichen Teil wurde ein neuer Staat, der sich den Namen Bangladesch gab.

III. Demokratischer Rumpfstaat. Die 1970er Jahre: Die scheindemokratische „One Unit“-Formel hat über ein Jahrzehnt die Unterordnung der Ost-Bengalen vergessen lassen – in West-Pakistan. Im Wahlkampf kommt das Problem zurück. In Ost-Pakistan hat Sheikh Mujibur Rahman die Awami-Liga in eine allgegenwärtige Autonomiebewegung verwandelt. Wenn Wahlen, so fordert er erfolgreich, dann „one man, one vote“. Das Ergebnis von 1971 ist eindeutig. Im Westen erhält Bhutto die absolute, im Osten Sheikh Mujibur und seine Awami-Liga die fast hundertprozentige Mehrheit. In Ost-Pakistan bricht der Bürgerkrieg aus. Eine riesige Zahl von Menschen flüchtet nach Indien. Die indische Premierministerin Indira Gandhi folgt ihrem Satz „Es gibt schlimmeres als Krieg“ und lässt die indische Armee in Pakistan einmarschieren. Nach wenigen Tagen kapituliert die pakistanische Armee. Damit steht der Wahlgewinner im Westen, Zulfikar Ali Bhutto, vor einem Scherbenhaufen. Der wird ihm vom Militär gern überlassen. Im Dezember 1971 erklärt sich Ostpakistan als Bangladesch für unabhängig.

Bhutto übernimmt einen Rumpfstaat. In einem Jahrzehnt der noch ungebrochenen Sozialliberalität setzt der programmatische Sozialdemokrat auf Verstaatlichungen, (schwache) Gewerkschaften und Wahlgeschenke. Steuern kann der von Großgrundbesitzer:innen, Industriellen und Militärs geführte Staat nicht eintreiben. Schließlich sind die Bhuttos selbst große Landbesitzer. Bhutto muss sich andere Finanzierungsquellen suchen. Er öffnet die Moscheen, Koranschulen, islamischen Banken, aber auch die Privatschulen des Landes gegenüber dem Saudi-Wahhabismus, einer streng konservativen Lesart des sunnitischen Islam, und der islamischen Orthodoxie.

Diese Maßnahmen retten den pakistanischen Rumpfstaat, aber sie retten nicht den Premier. Er macht mit der Ernennung des niedrigkastigen Mohammed Zia-ul-Haq zum Stabschef der Armee einen tödlichen Fehler. Von Bhutto belächelt und im Kabinett gedemütigt, nutzt Zia als oberster Befehlshaber der Streitkräfte innenpolitische Unruhen, um Bhutto abzusetzen und eine zweite Militärherrschaft zu etablieren. In einem viele Monate langem Verfahren orchestriert Zia einen Justizmord. 1979 wird Bhutto gehängt.

IV. Der islamistische Frontstaat. Nach dem Justizmord an Bhutto ist Zia ein internationaler Paria. Der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan, Weihnachten 1979, muss ihm wie ein Gottesgeschenk erschienen sein. Von Pakistan aus wird künftig der antisowjetische Dschihad organisiert. Seit der US-Präsidentschaft Ronald Reagans 1981 stehen dafür milliardenschwere Gelder und Waffen bereit. Auch Saudi-Arabien ist beteiligt. Zia ist Fundamentalist, aber auf der „richtigen“, der sunnitischen Seite. Er hat, was Bhutto aus Not begann, von Anfang an mit Überzeugung fortgesetzt: mit islamischem Bankenwesen, mit Sharia-Gesetzgebung, der Förderung islamistischer Gruppen und selbst der Muhajir. Jetzt bietet sich ihm die einzigartige Gelegenheit eines islamistischen Feldzugs gegen die Sowjets. Er erklärt Pakistan zum Frontstaat, sich nach innen zum Verteidiger des Islam und gen Washington als den der Demokratie.

Vor allem aber setzt er ein absolutes Monopol und Kontrollrecht über den Dschihad gegenüber den Finanziers in Washington durch. Nur das pakistanische Militär und sein Geheimdienst, ISI (Inter-Services Intelligence), organisieren die Mudschaheddin. Sie erhalten Geld und Waffen von den USA und verteilen sie an angemessen radikale, überwiegend paschtunische Kriegsführer. 1988/89 endet das goldene Zeitalter des Dschihad. Ebenfalls 1988 kommen bei einem rätselhaften Helikopterabsturz Zia, mehrere Generäle und der amerikanische Botschafter ums Leben. Die Armee ruft die Politiker:innen der zwei großen Parteien zu Hilfe: die Muslimliga und die von Benazir Bhutto (Tochter des hingerichteten Premiers Zulfikar Ali Bhutto, Anm. d. Red.) geführte PPP. Unter diesen für die Anerkennung und Kreditbeschaffung in Washington alles in allen günstigen Bedingungen enden die 1980er Jahre besser, als sie begonnen haben.

Lahore: Die Bewohner:innen der Mega-City schauen unruhigen Zeiten entgegen. © ipsum Projekt „InterViews“, Fotograf: Shahzada Rashid, Pakistan/Lahore 2021

V. Das Zwei-Parteien-Land. Die 1990er sind vom schnellen Wechsel von Premiers, Regierungen, übergangsweisen geschäftsführenden Kabinetten und bald sogar temporären Staatspräsidenten geprägt. Die Wahlbeteiligung geht zurück und es mehren sich Wahlüberraschungen, allerdings selten angenehme. Kandidat:innen werden eingeschüchtert und ermordet, zwischen sunnitischen und schiitischenWähler:innen entstehen lokale Bürgerkriege, hinzu kommt massenhafter Wahlbetrug, etwa durch gefälschte Stimmzettel. Auf der Parteienebene dominieren die Muslimliga und die PPP; daneben bestehen drei religionspolitische Kleinparteien und Netzwerke: eine fundamentalistische, eine orthodoxe und eine anfänglich eher traditionalistische Partei. Alle werden jetzt zunehmend radikaler und kooperieren mit Terrorgruppen. Daneben gibt es eine Vielzahl auf Provinzen beschränkte regionalistische, kulturnationalistische oder tribale Gruppierungen, die meisten im tribal fragmentierten, politisch bedeutungslosen Belutschistan.

Auf der Eliten-Ebene sind die Akteure mächtige Punjabi-Eliten, Industriellenfamilien, Handelshäuser, die Militärs, die Muhajir und Großgrundbesitzer. Hinzu kommen „Pirs“: Dynastien von Heiligen, also volksreligiöse Mystiker, die über große Wallfahrtszentren, riesigen Landbesitz und oft hunderttausende von Anhänger:innen verfügen.

Aus Sicht dieser Eliten ist die Regierungsform immer noch zufriedenstellend. Seit 1988 haben sich Benazir Bhutto und Nawaz Sharif von der Muslimliga viermal an der Macht abgewechselt; zumeist vom Präsidenten entlassen und von sogenannten Caretakern geschäftsführend abgelöst. Daneben droht die Kontrolle des Militärs über die demokratische Scharade verloren zu gehen. Deshalb kommt es kurz vor Ende des Jahrtausends zu einem neuerlichen Putsch.

VI. Spiel mit den Taliban. Verantwortlich für den Putsch 1999 ist der gebildete Pervez Musharraf, ein Muhajir. Er hat einen Teil seines Lebens in der Türkei verbracht, wo er die Selbstermächtigung des türkischen Militärs kennenlernte. Ihm gefällt die Vorstellung, analog zu Kemal Atatürk, dem Begründer der Republik Türkei, ein „Atapak“, ein „Vater aller Pakistanis“ zu werden.

2000 bis 2010: Zwei Rahmenbedingungen machen Musharraf bald zur tragischen Figur: Einerseits scheitert er an einer liberalen Öffentlichkeit, die während mehr als zehn Jahren, wenn auch manipulierter, Demokratie entstanden war. Andererseits gerät er durch den Afghanistan-Krieg der USA in Konflikt mit den Pro-Taliban-Kräften im eigenen Land. Musharraf tritt schließlich zurück.

Die aus dem Exil zurückgeholte Benazir Bhutto kann die erhoffte demokratische Wende nicht begleiten. Das Spiel von Militär und ISI mit den Taliban, mit islamistischen Parteien, mit Terrorgruppen und deren Netzwerken ist außer Kontrolle geraten. Benazirs Triumphzug durch Karatschi im Oktober 2007 wird durch einen riesigen Explosionsfeuerball unterbrochen, Dutzende von Anhänger:innen werden zerrissen. Sie selbst stirbt wenig später durch eine weitere Bombe.

VII. Das diskreditierte Land. Infolge dieser Attentate übernehmen ab 2010 diskreditierte und korrupte Koryphäen der PPP und der Liga die Regierungsführung. Das ist zunächst der zwielichtige, steinreiche Witwer Benazir Bhuttos, Zardari. Das ist auf der anderen Seite der ungekrönte Königsmacher im Punjab und in der Muslimliga, Nawaz Sharif.

Die entscheidende neue Kraft aber ist der islamistische Terror. Militär und ISI, selbst fraktioniert, spielen, je nach Anlass und Notwendigkeit, mit den islamistischen Gruppen. Seit Kriegsende 1988 werden diese Gruppen in Richtung Indien, insbesondere nach Kaschmir, entsandt. Im Inneren sind diese islamistischen Parteien, Fraktionen und Organisationen schon längst unkontrollierbar geworden.

Die Wahl 2018 bringt einen Machtwechsel. Ein wenig orthodoxer, vierfach verheirateter ehemaliger Cricket-Star, Imran Khan, übernimmt mithilfe einer neugegründeten Partei die Macht in Islamabad. Lange Zeit schien der neue Präsident zur Zufriedenheit und mit Unterstützung der Militärs zu agieren. Die Machtübernahme der Taliban hat er begrüßt.

Der Kunststaat funktioniert – gemessen an der grotesken Grundidee, an den Zufallsbedingungen der Entstehung und der katastrophalen Ausgangssituation.

Allerdings nur solange der Elitenkompromiss hält. An höchster Stelle sind die entscheidenden ethnisch-regionalen, wirtschaftlichen, bürokratischen und militärischen Eliten eng vernetzt. Durch juristisches Spezialwissen, Fachpersonal und durch Standesdünkel sind sie außerdem fest miteinander verbunden. Seit General Ayub Khan in den 1960er Jahren regierte, lautet die Machtkonfiguration: Das Militär ist die unsichtbare Hand Gottes, die Zivilbürokratie setzt den Rahmen, die großen Wirtschaftshäuser gehen hemmungslos ihren Geschäften nach, Landbesitzer:innen wachen über Heerscharen von Leibeigenen und Sektenanhänger:innen; keiner zahlt Steuern und jeder Zweit- oder Drittgeborene der großen Familien wird ins Parlament entsandt. Sie alle wissen, dass man sich gegenüber Indien alles, gegenüber der EU fast alles, gegenüber Washington, mit Rückendeckung Chinas, sehr viel und dem Militär und ISI gegenüber nichts erlauben darf.

Jakob Rösel ist ehemaliger Lehrstuhlinhaber an der Universität Rostock, Südasienexperte und unter anderem Autor des Buches Pakistan: Kunststaat, Militärstaat, Krisenstaat im Lit Verlag, 2011.

Der Beitrag erschien – in längerer Fassung – zuerst in der Ausgabe 390 der Zeitschrift IZ3W – wir danken für die Genehmigung des Abdrucks.

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