Peter Schultze-Kraft (Hg.): Und träumten vom Leben

Von Werner Hörtner ·

Erzählungen aus Kolumbien. Edition 8, Zürich 2001. 430 Seiten, € 23,90.

Kolumbianische Literatur – da fällt den meisten von uns nur Gabriel García Márquez ein, dem einen oder der anderen vielleicht auch noch Alvaro Mutis oder Laura Restrepo. Vielleicht hat es mit dem erdrückenden Schatten des Nobelpreisträgers zu tun, dass so viele andere ausgezeichnete Erzähler und Autorinnen aus dem Andenland bei uns unbekannt, unübersetzt blieben.
Peter Schulze-Kraft, der die Entwicklung der kolumbianischen Literatur seit Jahrzehnten als Freund und Förderer verfolgt, hat eine große und ehrenhafte Anstrengung unternommen, diesem Manko Abhilfe zu schaffen. In jahrelanger Recherche hat er 74 Geschichten von eben so vielen Autorinnen und Autoren zusammengetragen und selbst übersetzt oder von Kennern wie Erich Hackl, Dieter Masuhr, Gert Loschütz u.a. übersetzen lassen – fast alle zum ersten Mal in deutscher Sprache vorgestellt.
Abgesehen vom literarischen Wert der Beiträge und der Qualität der Übersetzungen bietet diese Anthologie auch eine Annäherung an die komplexe soziale und psychologische Problematik des Landes, eine Auseinandersetzung mit den Ursachen von so viel auswegloser Gewalt. Die kolumbianischen KünstlerInnen sind die einzige integre Kraft, die versucht, dem Zug ins Verderben entgegenzusteuern, schreibt der Herausgeber in einem intelligenten Nachwort. Sie haben „dichterische Analysen geliefert, wie sie kein Historiker oder Soziologe überzeugender bieten könnte“. Und er führt als Beispiel ein kurzes Gedicht von Nicolás Suescún an, „Die Stimme von keinem“:
Das Wort von einem / ist wie das von keinem / beide muss man hören / aber mehr das von keinem / das das ist von allen.
Der Rezensent kann sich dieser Meinung des Herausgebers nur anschließen. Die vorliegende Anthologie ist nicht nur eine spannende literarische Entdeckungsreise, sondern bietet auch die Möglichkeit, Kolumbien und das kolumbianische Drama besser zu verstehen.

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