Polizei sucht Dialog

Von Gabriele Müller · · 2007/06

Im Wiener Projekt „Fair & Sensibel“ arbeiten Polizei und AfrikanerInnen an einem Zusammenleben ohne Vorurteile.

Pepi wird bei der Veranstaltung im Weltcafé am Podium dabei sein“, kündigt Brigitt Albrecht, Mitglied des Projektteams, an. „Es wäre wichtig, dass jemand von uns ihn unterstützt.“ Oberstleutnant Josef „Pepi“ Böck, Obmann des Vereins „Fair und sensibel: Polizei und AfrikanerInnen“, trifft bei Podiumsdiskussionen oft auf Vorurteile. Der Verein wurde von der Generaldirektion für Öffentliche Sicherheit und vom Polizeipräsidenten initiiert, derzeit hat er 20 ehrenamtliche MitarbeiterInnen.
An diesem ersten Montag im Mai sind rund ein Dutzend Personen afrikanischer und europäischer Herkunft im Café der Volkshochschule Galileigasse 8 im neunten Wiener Gemeindebezirk versammelt. Der Kriminalbeamte Gerhard B. macht auf die Kulturaktion „Living Books“ aufmerksam, bei der sich Menschen, die mit Vorurteilen konfrontiert sind, für Gespräche zur Verfügung stellen – etwa AsylwerberInnen aus Afrika oder PolizistInnen.
Der Beamte im orange-farbigen T-Shirt, in Jeans und Sportschuhen war durch ein Seminar zum Abbau rassistischer Vorurteile auf die Initiative „Fair & Sensibel“ aufmerksam geworden. Seit damals ist er im Verein aktiv, dessen Hauptziel es ist, Vorurteile bei der Exekutive und unter den AfrikanerInnen abzubauen. „Wir sind zwar nur eine kleine Gruppe“, meint er, „aber es spricht sich innerhalb der afrikanischen Gemeinde in Wien herum, dass man mit uns ganz normal reden kann.“

Durch Beratung, Information und Vernetzung sollen die Berührungsängste geringer werden und ein konstruktiver und gleichberechtigter Dialog entstehen. Der Tod von Marcus Omofuma und Seibane Wague, beide bei Amtshandlungen der Polizei ums Leben gekommen, die berüchtigte Operation Spring, mit der durch mediale „Hilfe“ die Konstruktion von „Nigerianer = Drogenhändler“ nachhaltig verfestigt wurde, bis hin zu „kleinen Alltagsrassismen“ wie die Anrede mit „Bimbo“ oder „Neger“: Das Verhältnis afrikanischer MigrantInnen und schwarzer ÖsterreicherInnen zur heimischen Exekutive ist aufgrund dieser Erfahrungen angespannt. „Viele kommen in die Beratung, weil sie meinen, dass ihr Ausweis nur wegen ihrer Hautfarbe kontrolliert wurde“, erzählt Brigitt Albrecht. „Wir erklären dann, dass Menschen anderer Nationen genauso kontrolliert werden. Und dass es besser ist, ruhig zu bleiben und den Ausweis einfach vorzuweisen.“
Die Beratungsstelle des Vereins, der im Juni 2000 als „Pilotprojekt Alsergrund“ in Kooperation der Bundespolizeidirektion Wien, der Gesellschaft für bedrohte Völker und der Universität Wien gegründet wurde, wird rege frequentiert. Viele Anliegen und Sorgen werden an das Team herangetragen: etwa Amtshandlungen, die als nicht korrekt empfunden werden, Beschwerden von ÖsterreicherInnen über AfrikanerInnen, oder umgekehrt, Unmut über die Behörden oder diffuse Ängste vor dem Fremden.

www.fairundsensibel.at

Gabriele Müller ist freie Journalistin in Wien.

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