„Prerna bleibt bei mir“

Von Redaktion ·

Die 25-jährige Kajri erzählt ihre Geschichte.

Gehüllt in ihren bunten Sari, die Handgelenke voller Armreifen, knuddelt Kajri ihre vier Monate alte Tochter Prerna. „Ich habe sie Prerna genannt, was auf Hindi Inspiration bedeutet, weil sie meinem Leben einen neuen Sinn gegeben hat“, sagt sie voller Zuversicht, als sie mit ihrer Geschichte beginnt. Kajri ist 25. Geboren und aufgewachsen ist sie in einem Slum in Delhi, der Hauptstadt Indiens. „Meine Eltern hatten kaum etwas, aber sie sorgten dafür, dass meine beiden Geschwister und ich zur Schule gingen. Schließlich mussten wir die Schule doch abbrechen“, erzählt sie, „aber was ich gelernt habe, hat mir geholfen, jetzt für meine Rechte zu kämpfen“.

Letztes Jahr heiratete Kajri. „Mein Mann war anfangs verständnisvoll. Er sorgte dafür, dass wir uns kennen lernten. Im Mai 2012 wurde ich schwanger und fühlte mich wie im siebten Himmel. Aber dann, bei einem Besuch bei der Ärztin, hieß es, dass ich das Kind abtreiben müsste, weil es bereits tot wäre. Ich vertraute meinem Mann, stellte keine Fragen und tat wie mir geheißen. Das wiederholte sich bei meiner zweiten Schwangerschaft. Dass das zum zweiten Mal passiert war, machte mich doch stutzig, also beschloss ich, die Ärztin allein zu besuchen.“

Kajri fährt fort, mit Tränen in den Augen: „Die Ärztin wunderte sich über meine Frage. Sie sagte, es sei unmöglich, dass ich das Kind haben wollte, denn ich hätte es ja freiwillig beide Male abtreiben lassen, obwohl mit dem Kind alles völlig in Ordnung gewesen wäre.“ Voller Zorn eilte Kajri nach Hause zu ihrem Mann, forderte eine Erklärung. „Mein Mann war verärgert, weil ich es wagte, ihn zur Rede zu stellen. Er nahm einen Bambusstock und verprügelte mich gnadenlos.“

Im September 2012 wurde Kajri wieder schwanger. „Dieses Mal sorgte ich dafür, dass ich die Ärztin allein besuchen konnte, und ließ keine Untersuchung zu, ohne die Ärztin zu fragen. Aber meine Verwandten drängten mich zu einem Test, mit dem laut Ärztin das Geschlecht des Kindes festgestellt werden sollte, obwohl das illegal war. Ich weigerte mich, aber es wurde immer schwieriger. Ich ging zurück zu meiner Mutter und erzählte ihr alles. Meine Mutter brachte mich bei ihr unter. Mein Mann kam viele Male vorbei und versuchte, mich mitzunehmen, aber meine Mutter ließ das nicht zu, unter allen möglichen Vorwänden. Einmal log sie sogar und sagte, der Arzt hätte gesagt, ich bekäme einen Sohn, um mich vor dem Zorn meines Mannes zu bewahren.“

Kajri brachte ein Mädchen zur Welt. „Mein Mann war nicht bereit, unsere Tochter zu akzeptieren. Er wollte, dass ich ohne sie nach Hause käme, damit wir für ein anderes Baby planen könnten, aber ich weigerte mich. Schließlich ging ich zu meinem Mann zurück. Ich wurde nicht gerade freundlich empfangen. Aber meine Tochter blieb bei mir.“

Kajri wehrt sich gegen jeden Versuch, ihr das Kind wegzunehmen, und hat sogar mit einer Anzeige bei der Polizei gedroht. „Ich bin eine Tagelöhnerin, und das Wenige, das ich verdiene, brauche ich für meine Tochter. Mein Mann gibt mir keinen Groschen für sie. Aber ich bin sicher, dass ich diesen Kampf, Prerna zu einem Teil der Familie zu machen und ihr jene Kindheit zu ermöglichen, die mir mein Vater ermöglicht hat, gewinnen werde.“

© New Internationalist

Dieses Gespräch wurde von Ankita Balloh geführt, einer von Radar ausgebildeten Bürgerjournalistin. Radar ist eine Organisation für Kommunikationsrechte, die mit marginalisierten und isolierten Gemeinschaften arbeitet. Nähere Informationen: onourradar.org

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