Rainer Tetzlaff (Hg.): Weltkulturen unter Globalisierungsdruck

Von Ralf Leonhard ·

Rainer Tetzlaff (Hg.): Weltkulturen unter Globalisierungsdruck
Dietz Verlag, Bonn 2000, 380 Seiten, öS 181,–

Ist die Globalisierung Chance oder Bedrohung für die Länder des Südens? Der von der ”Stiftung Entwicklung und Frieden“ herausgegebene Band ”Weltkulturen unter Globalisierungsdruck“ geht dieser Frage in den Kulturen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas nach und kommt dabei zu durchaus vielschichtigen Antworten.

Rainer Tetzlaff schreibt in seinem Resümee: ”In Ost- und Südostasien wird die Globalisierung überwiegend als Chance für mehr Leistungsgerechtigkeit und als Aussicht auf ein besseres Leben wahrgenommen und insgesamt positiv bewertet. In den muslimischen (arabischen) und afrikanischen Staaten, die bisher zu den Verlierern der Globalisierungsoffensive zu zählen sind, sind Skepsis, Angst vor kultureller Überfremdung und viel Misstrauen gegenüber den Global Players typisch. In den Ländern Lateinamerikas ist die Notwendigkeit einer Politik der Öffnung zu den harten Wettbewerbswinden des Weltmarktes als Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und soziale Prosperität weitgehend eingesehen worden, ohne sich jedoch konsequent mit internen Strukturreformen auf den verschärften internationalen Wettbewerb einzustellen.“

Denn, so Detlef Nolte, einer der Autoren zu Lateinamerika: ”Die Verheißung, dass der wirtschaftliche Kurswechsel unter neoliberalem Vorzeichen zu wachsendem Wohlstand führen werde, hat sich bisher nur für wenige erfüllt.“

In Asien hat Gunter Schubert komplexere Folgen beobachtet. Die Krise der Jahre 1997/98 habe gezeigt, dass ”zu große Diskrepanzen bei der Verteilung der gesellschaftlichen Ressourcen – also strukturelle Ungleichheit und soziale Entwertung – systemgefährdend eskalieren können.“ In Malaysia, Indonesien und den Philippinen habe dies ”den Blick für die soziale Frage geschärft“, in China zumindest einen Nachdenkprozess ausgelöst.

Am besten positioniert, so ein Grundtenor des Bandes, seien jene Länder, die ihr Humankapital am besten ausbilden. Tetzlaff schließt sich da dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington an, das in seiner Studie ”Global Trends 2005“ feststellt: ”Es ist die Qualität der menschlichen Ressourcen, die im Zeitalter des globalen Wettbewerbs Gewinner von Verlierern unterscheiden wird.“ Sicherlich eine bedenkenswerte Prognose für all jene Regierungen, die glauben, ihr Budget über die Beschneidung der Bildungsausgaben sanieren zu können.

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