Rassismen vergleichen?

Während Österreich lieber verdrängt, arbeitet Südafrika seine Verbrechen auf.

Von Lydia Matzka
Kann man die Staaten Österreich und Südafrika, was Rassismus und Vergangenheitsbewältigung anbelangt, überhaupt vergleichen? Eine Veranstaltung im Parlament Ende Mai bewies, dass dieser Vergleich den Ausgangspunkt einer interessanten Diskussion bildet. Vergleichen heißt ja auch nicht gleich-setzen.

"Die Wahrheit tut weh, das Schweigen aber tötet", so das Motto der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) in der Republik Südafrika. Der Amnestie-Prozess wurde dort stark kritisiert: Jeder Täter, der seine Gräuel öffentlich gestand und die Opfer um Verzeihung bat, erhielt Straffreiheit. Dumisa Ntsebeza, der Leiter der Ermittlungsabteilung der TRC, unterstreicht den Schuld-Effekt, den dieses Verfahren auslöst: "Amnesty is not cheap!" Mit Schuldgefühlen müssen die Täter leben. Davon werden sie nicht befreit.

Was die TRC in Südafrika leistete "war in Österreich nicht einmal in Ansätzen versucht worden", meint Wolfgang Neugebauer, wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes. Österreich definierte sich, auf die "Moskauer Deklaration" berufend, als Opfer. Nach 1945 gab es keine Nazis mehr, nur mehr von Hitler missbrauchte Idealisten und Wegschauer. Der Dialog mit den Opfern wurde nicht gesucht. Erst 55 Jahre später beginnt Österreich seine Schuld aufzuarbeiten und Entschädigungsgelder zu zahlen.

Auch wenn so manches "einfache FPÖ-Mitglied" der "Entschuldigerei nach so vielen Jahrzehnten" nichts abgewinnen kann, "tut Vergangenheitsbewältigung gerade in Österreich not", betont der Menschenrechtssprecher der SPÖ, Walter Posch.

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