Reife Arbeit

Wie SchülerInnen Antworten auf aktuelle gesellschaftspolitische Fragen finden, erfuhr Milena Österreicher bei der diesjährigen Verleihung des C3-Awards in Wien.

Ende Mai wurden drei herausragende vorwissenschaftliche Arbeiten (VWAs) mit dem C3-Award prämiert. Seit drei Jahren ehrt das C3 (Centrum für Internationale Entwicklung) in Wien ausgezeichnete VWAs sowie Diplomarbeiten zu entwicklungspolitischen Themen.

145 SchülerInnen nahmen dieses Jahr österreichweit am Wettbewerb teil. Einer davon ist Kian Abadi. Seine Recherchen zu Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien sind eine der drei Arbeiten, die einen Award bekamen. „Ich wurde stark durch das kritische Denken meiner Familie geprägt“, erzählt der Wiener.

Saudi-Arabien sei in Österreich oft aufgrund der Ölexporte in den Medien, er wollte eine andere Seite beleuchten und beschäftigte sich deshalb eineinhalb Jahre lang mit Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien.

Die Palette ist lang: Einschränkung der Meinungsfreiheit, fehlende Rechte für (Arbeits-)MigrantInnen, Diskriminierung der schiitischen Minderheit im Land, Kriegsverbrechen im benachbarten Jemen-Konflikt, willkürliche Verhaftungen, Inhaftierungen und Folter sowie beschränkte Frauenrechte.

In der Theorie gäbe es zudem zwar schon eine Vielzahl an Ahndungsmöglichkeiten, wie etwa den UN-Menschenrechtsrat, führte Abadi aus, in der Praxis beschränkten sie sich aber oft nur auf Beobachtung, Berichterstattung und unverbindliche Vereinbarungen.

„Westliche Marktwirtschaften gehen mit der menschenverachtenden Politik Saudi-Arabiens aufgrund der Rüstungsexporte und Rohstoffimporte viel zu milde um“, argumentiert Abadi.

Mutig und aktuell. In der Laudatio auf Abadis VWA betonte Erwin Künzi von der Austrian Development Agency, dass die Arbeit den Mut des Schülers zeigt, eigene Antworten auf die gesellschaftspolitischen Fragen zu finden. Abadi entwickelte etwa einen eigenen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung des Menschenrechtsschutzes.

Außerdem überzeugte die Aktualität des gewählten Themas. Erst vor wenigen Tagen wurden wieder Aktivistinnen wie Loujain Al-Hathloul und Madeha Al-ajroush festgenommen, die dafür kämpfen, dass Frauen in Saudi-Arabien endlich am Steuer sitzen dürfen.

Fokus Würde. „Heuer standen bei den eingereichten Arbeiten das Grundrecht jedes Menschen auf ein würdiges Leben im Vordergrund“, erzählt Gabi Slezak von der ÖFSE, die den C3-Award gemeinsam mit den Organisationen BAOBAB, Frauen*solidarität, Paulo Freire Zentrum und Mattersburger Kreis für Entwicklungspolitik vergibt.

Auch die zwei anderen prämierten Arbeiten haben diesen Fokus: Sandra Rejak aus Niederösterreich schrieb über die Auswirkungen der Wasserprivatisierung in ärmeren Ländern. Magdalena Riedl recherchierte für ihre VWA zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen.

Riedl erinnert in ihrer Arbeit daran, dass man immer versuchen sollte, Dinge zu verbessern: „Alles, was uns heute unabdingbar und selbstverständlich erscheint, alles, was wir schätzen und unter keinen Umständen missen wollten, war einst nicht mehr und nicht weniger als Utopie“, so die Oberösterreicherin.

„Zynismus ist nutzlos“, wurde sie durch NEOS-Nationalratsabgeordnete Stephanie Krisper bestätigt. „Bewahren Sie sich den Optimismus und den Tatendrang, um konstruktive Lösungen zu finden!“ Krisper überreichte zusammen mit Petra Bayr (SPÖ) und Martin Engelberg (ÖVP) die Awards.

Für Abadi sind dabei seine vorwissenschaftliche Arbeit und der C3-Award erst der Anfang: „Ich bin durch das lange Recherchieren nicht müde geworden, eigentlich nur noch interessierter“, betont er freudig. Er möchte später als Menschenrechtsaktivist arbeiten, am liebsten zur Situation im Nahen Osten, „in welcher Form auch immer“.

Milena Österreicher ist freie Journalistin und lebt in Wien.

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