Reise nach Myanmar (Birma)

Von Werner Hörtner · · 2010/11

A. Grünfelder und L. Leitess (Hg.)

Unionsverlag, Zürich 2010, 252 Seiten, € 10,20

In der Reihe „Kulturkompass fürs Handgepäck“ erscheinen keine Reiseführer, die auf den Touristenpfaden durchs Land führen, sondern literarische Reportagen und Beschreibungen, die einen ans Wesentliche, an die immaterielle Substanz eines Landes heranführen. Im Falle des südostasiatischen Reiches Birma oder Burma, in der Kolonialzeit Siam und von der Militärdiktatur Myanmar genannt, sind es meistens paradiesische Bilder, goldschimmernde Pagoden, wirbelnde Tänze, fröhliche Menschenmengen, Musik. Von einer „Ladung birmanischer Lebensfreude“ spricht der britische Schriftsteller Aldous Huxley, der schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts Birma bereiste. Auf der Flussfahrt auf dem Irrawadi von Mandalay nordwärts bringt den Autor die üppige, doch wohlgeordnete Natur zum Schwärmen; auf der Fahrt von Mandalay flussabwärts Richtung Rangun leidet er jedoch unter der Hitze, dem beißenden Gestank der mitgeführten Rinder, den naturzerstörerischen Ölfeldern.

Die Zwiespältigkeit des Landes durchzieht mehrere der literarischen Beiträge: Anmut und Armut, paradiesische Natur und tödliche Schlangen. Für den Niederländer Cees Nooteboom gestaltete sich eine Birma-Reise in den 1990er Jahren als Katastrophe – die Begleitumstände der Reise an sich – und als Glück, beide miteinander nahtlos verzahnt.

Mit den Erinnerungen von Inge Sargent an den „Tag des Putsches“ 1962 beginnt die Zeit der Militärdiktaturen, die bis auf eine kurze Unterbrechung 1990 bis heute andauert. Die Kärntnerin hatte einen Shan-Prinzen geheiratet, der von den Militärs verschleppt und umgebracht wurde. (Im Unionsverlag erschienen auch ihre Erinnerungen „Dämmerung über Burma“.)

Ein lesenswerter Band mit vielen interessanten Beiträgen, u.a. von George Orwell, Amitav Gosh, dem schon erwähnten Huxley, dem Maler Emil Nolde.

Siehe auch den Beitrag zum aktuellen Burma auf S.22.

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