Río puro

Von Redaktion ·

Germán Kratochwil:

Roman. Picus Verlag, Wien 2013, 300 Seiten, Euro 22,90

Der 1938 in Korneuburg bei Wien geborene, als Kind mit seiner Familie nach Argentinien ausgewanderte Autor und Sozialwissenschaftler Germán Kratochwil verbrachte sein Arbeitsleben bei verschiedenen internationalen Organisationen in Lateinamerika und Europa. Nun, im „Ruhestand“, hat er beim österreichischen Picus-Verlag binnen eines Jahres zwei Romane veröffentlicht, die beide im argentinischen Patagonien spielen. Schon in seinem Erstling, „Scherbengericht“, zeigte Kratochwil unbändige Erzählkraft und -freude, Fantasie und skurrilen Humor, der bei der Lektüre immer wieder zu Lacheskapaden verleitet.

Der in der Toskana lebende österreichische Journalist Leo Kainzer soll eigentlich über die argentinische Präsidentenwahl berichten. Doch seine Jugendfreundin Livia, die ihn am Flughafen in Buenos Aires erwartet, erzählt ihm gleich nach seiner Ankunft eine Schreckensgeschichte: Ihr Ehemann Franz Melan, auch ein guter Freund Kainzers, ist verschollen. Er hat sich grußlos mit einer halben Million Dollar und viel Whisky im Gepäck in den patagonischen Regenwald abgesetzt. Anstatt seinen journalistischen Auftrag auszuführen, muss sich Kainzer nun auf die Suche nach seinem Freund begeben.

Bei diesem Unterfangen hat er skurrile Erlebnisse und Begegnungen, etwa mit einem bisexuellen Naturanbeter aus dem Innviertel und eine trost- und liebesbedürftige junge Frau aus Monte­video.

Der gesuchte Freund bleibt stets ein Phänomen, das ihm immer einige Tage voraus ist. Während Kainzer ihm hinterher eilt, fällt Melan in die Arme einer oft missbrauchten Mapuche-Frau, die an ihm, stellvertretend für das ganze Vergewaltiger-Geschlecht, brutale Rache nimmt. Er verliert im patagonischen Urwald nicht nur Geld und Whisky, sondern auch den ganzen Stolz männlicher Triebhaftigkeit.

Kratochwils zweiter Roman endet in einem furiosen und grotesken Verwirrspiel, bei dem es erstmals auch einen Mord gibt. „Jetzt möchte ich im Rahmen dieser Trilogie noch einen dritten Roman schreiben“, erzählte der Autor dem Rezensenten. „Der soll den Charakter eines Schlussstriches haben, damit ich auch innerlich von der Sache loskomme. Ich will ja nicht der Patagonien-Schriftsteller per se sein. Ich möchte mit dem dritten Band meine Erfahrungen in Lateinamerika abschließen, und dann – dann habe ich etwas Anderes vor.“
Werner Hörtner

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