Rudolf Buntzel/Suman Sahai: „Risiko: Grüne Gentechnik“

Von Gertrude Klaffenböck ·

Wem nützt die weltweite Verbreitung gen-manipulierter Nahrung?

Brandes & Apsel, Frankfurt/M, 2005, 212 Seiten, EUR 17,90

Seit Beginn dieses Jahrtausends hat die internationale Gentechnikdebatte zahlreiche neue Facetten erhalten. Anders als noch in den 1990ern, als von Unternehmen der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft als Lösung des Problems des Welthungers schlechthin verkauft wurde, haben GentechnikbefürworterInnen ihre Argumente seither stark differenziert und prägen die Diskussion in zahlreichen internationalen Institutionen. Diesem Umstand tragen die Autoren mit dem vorliegenden Buch in besonderer Weise Rechnung. Den neuen Argumentationslinien ist ein umfangreiches Kapitel gewidmet. In der zentralen Frage nach den adäquaten Strategien der Hungerbekämpfung für das beginnende Jahrtausend wird der Widerspruch zwischen Gentechnikansatz und sozialen Konzepten herausgearbeitet. Besonders interessant wird das Buch dadurch, dass es sowohl einzelne Abkommen als auch aktuelle Regelwerke, die auf internationaler Ebene entstanden sind, aufgreift und die Ergebnisse einer entwicklungspolitischen Prüfung unterzieht. Ein eigenes Kapitel widmet sich ausführlich und mit detaillierten Informationen den bereits bestehenden Alternativen zum Gentechnikansatz. Die von Gentechnikbefürwortern immer wieder ins Treffen geführten Problemlösungen für die Landwirtschaft des Südens, etwa mit der Entwicklung von salz- und dürreresistenten Pflanzen die Ertragsleistungen zu steigern oder mit nährstoffangereicherten Pflanzen (etwa Vitamin-A-Reis) besonderen Mangelerscheinungen entgegenzuwirken – werden in dem Kapitel durch wissenschaftliche Studien und praktische Beispiele konterkariert. Die Autoren können erfolgreich zeigen, dass für einzelne Problemlagen bereits heute in der landwirtschaftlichen Praxis sozial und ökologisch angepasstere Lösungen zu finden sind als jene, die aus Gentechnik-Labors (oft nur theoretisch) verheißen werden. Nicht nur die gebotenen aktuellen Informationen, sondern auch die umfangreiche Übersicht über die Debatten auf internationaler Ebene machen dieses Buch interessant. Wer sich aus entwicklungspolitischer Sicht eingehend über den aktuellen Stand informieren und für die eigene Argumentation fit machen will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

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