Werner Leiss hört sich um

Rund ums Mittelmeer

Spitzenmusikerinnen aus Algerien, Libanon und Albanien machen in Mitteleuropa Furore.

Von Werner Leiss

Diesmal werden speziell einige von Frauen initiierte und dominierte Projekte vorgestellt. Dazu begeben wir uns auf eine Rundreise. Alle Länder können über das Mittelmeer erreicht werden. Ja, mit Migration hat das alles auch zu tun, wenngleich in einer vergleichsweise privilegierten Form. Ausgangspunkt ist Algerien. Von dort kommt Souad Massi, sie ist in einem Vorort von Algier aufgewachsen. Die Eltern waren nicht sonderlich betucht, sie lernte Gitarre spielen. Singen konnte sie sowieso. Im Laufe der Jahre entwickelte sie sich zu einer klassischen Singer/Songwriterin, inspiriert von amerikanischem Folk, Joan Baez, Bob Dylan und so weiter. Das fanden manche nicht gar so großartig, gut war es meist trotzdem.

Mit ihrer neuesten Produktion „El Mutakallimûn (Masters Of The Word)“ kehrt sie thematisch allerdings zu ihren Wurzeln zurück. Es sind namhafte, wesentliche Dichtungen der arabischen Welt, quer durch die Jahrhunderte, die da von ihr vertont und mit Gitarre, Oud, Banjo und Piano eingespielt wurden. Auch ist es eine Auseinandersetzung mit einer versunkenen, heute gerne zitierten Welt, mit al-Andalus. Neben traditionellen arabischen Elementen und elegischen Balladen wird musikalisch auch leicht Rockiges und Jazziges, auch ein bisschen Reggae geboten. Souad Massi lebt schon lange in Paris.

Yasmine Hamdan. Vom anderen Ende des Mittelmeeres kommen Soapkills. Sie waren lange eine gefeierte Kultband, nicht nur in ihrer Heimat Libanon. Ende der 1990er wurden sie in Beirut mit ihrem Mix arabischer Elemente und Elektronik so richtig groß und zumindest in der arabischen Welt waren sie bald Superstars. Ein Kopf des Projekts war Yasmine Hamdan, die nun als Solo-Künstlerin auch in Europa sehr erfolgreich ist. Auch sie lebt in Paris. Ein Best Of-Album von Soapkills ist nun auf Crammed Discs erhältlich.

Elina Duni. Schließlich ist es noch ein gutes Stück nach Europa, genauer nach Albanien. Dort hat sich aber die Mutter von Elina Duni entschlossen, nicht bleiben zu wollen und es vorgezogen, mit ihrer Tochter in der Schweiz eine neue Heimat zu finden. Das war 1991, da war sie neun Jahre alt. In den letzten Jahren hat Elina Duni bereits ganz schön Karriere gemacht und besticht mitsamt ihrem Ensemble vorwiegend durch die Interpretation albanischer Volkslieder in zeitgenössischem Jazz-Gewand. Mit irgendeinem Balkan-Jazz-Larifari hat auch der neueste Wurf „Dallëndyshe“ überhaupt nichts zu tun. Dafür sorgt schon Manfred Eicher, der mit seinem bei München ansässigen Label ECM seit Jahrzehnten für Qualität sorgt und seinen Produktionen einen unverkennbaren Stempel aufdrückt, der sich in besonderer Klang-Transparenz äußert. Hier erkennbar am exzeptionellen Zusammenwirken von Stimme, Kontrabass, Piano und Schlagzeug.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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