Solidarische Ökonomie zwischen Markt und Staat. Gesellschaftsveränderung oder Selbsthilfe?

Von Petra Ziegler ·

Mattersburger Kreis (Hg.)

Sachbuch. JEP 3/09. Mandelbaum Verlag, Wien 2009, 124 Seiten, € 9,80

Mit Hilfe von Milliardenbeträgen versuchen die Regierungen, den weltweiten Wachstumswettlauf wieder in Gang zu setzen. Eine blanke Drohung, im Erfolgsfall ebenso wie im Fall des – absehbaren – Scheiterns. Die Suche nach ökonomischen Alternativen wird so mehr und mehr zur schlichten Notwendigkeit.

Ausgehend von Erfahrungen in Lateinamerika verdichtet sich seit einigen Jahren auch im deutschsprachigen Raum der Diskurs um neue Formen selbstbestimmter Produktion. Bedarfs- und Gemeinwesenorientierung, betriebliche Selbstverwaltung und die Ausrichtung an sozialen und ökologischen Kriterien sind bestimmende Merkmale „Solidarischer Ökonomie“. Das vorliegende Buch bietet dazu fundierte Beiträge. Trotz spürbarer Sympathie für den Gegenstand ihrer Untersuchung weichen die AutorInnen dabei widersprüchlichen Aspekten nicht aus.

Oftmals aus der Not geboren, zwischen Selbsthilfe und dem Anspruch auf gesellschaftliche Transformation, drohen die Initiativen einerseits von der marktwirtschaftlichen Konkurrenz zerrieben, andererseits von eben diesen Strukturen vereinnahmt zu werden. Bleiben die einzelnen Projekte für sich, geht die Selbstverwaltung nicht selten mit Selbstausbeutung einher.

Gelingt die Vernetzung solidarökonomischer Betriebe und der Aufbau von „Produktionsketten“, kann sich ein Stück des Weges in Richtung einer demokratischen, egalitären und solidarischen Wirtschaft und Gesellschaft erschließen.

An einer Reihe von Beispielen aus Brasilien werden die Perspektiven und Herausforderungen „instandbesetzter Betriebe“ verdeutlicht, sehr differenziert auch die Darstellung der baskischen Industriekooperative Mondragón. Die Beiträge nehmen dabei ebenso die (oft unzureichenden) gesetzlichen Rahmenbedingungen wie die teils mangelnde Unterstützung seitens der Gewerkschaften in den Blick.

Es ist dem Thema wie auch den bereits bestehenden Initiativen mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu wünschen. Markus Auinger und dem Mattersburger Kreis ist für dieses Buch zu danken.

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