Somalia - Piraten. Warlords. Islamisten.

Marc Engelhardt

Sachbuch, Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2013, 248 Seiten, Euro 25,70

Woran denken wir in Europa beim Stichwort Somalia? Krieg, Chaos, Hunger, Not und Terror. Das Land am Horn von Afrika gilt als Paradebeispiel eines „gescheiterten Staates”. Der Journalist Marc Engelhardt schafft das Kunststück, sachlich auf die – natürlich gewaltigen – Probleme Somalias einzugehen, ohne aber dabei die Entwicklung des Landes verkürzt oder einseitig darzustellen. Gleich am Anfang des Buches macht Engelhardt klar, dass es in Somalia nicht nur „Piraten, Warlords, Islamisten“ (wie sein Buch etwas irreführend im Untertitel heißt) gibt. Somalis, das sind auch mutige, engagierte Menschen, die für andere ihr Leben riskieren. Und unerschütterliche Optimisten, die trotz zwanzig Jahre Bürgerkrieg noch an die Zukunft glauben.

Engelhardt webt Beschreibungen persönlicher Schicksale und Alltagseindrücke in die Chronik eines gebeutelten Landes ein. Somalia wird dadurch plastisch dargestellt.

Nach einem kurzen, aber lebendigen Ausflug in die Geschichte bis zur Regierungszeit des Autokraten Siad Barre seziert der Autor die entscheidenden Perioden ab dem Sturz Barres 1991. Und er macht dabei klar, dass Somalia in heiklen Phasen von der internationalen Staatengemeinschaft allein gelassen wurde. Bei Kämpfen mit somalischen Milizen im Oktober 1993 kommen 18 US-Soldaten ums Leben. Die USA ziehen sich daraufhin vom Horn von Afrika zurück, die UNO-Mission wird 1995 beendet. Jahrelang wagt niemand, in die Kämpfe der rivalisierenden Warlords einzugreifen. Bis die Piraten kommen: Das Buch analysiert das System der Piraterie und zeigt auf, wer bei den Angriffen auf Frachtschiffe im Indischen Ozean die Fäden zieht und warum die Reaktion westlicher Regierungen und Handelsunternehmen alles andere als zielführend ist.

Hintergründe zum Aufstieg der Islamisten und zu den Dürren im Land, eine detaillierte Beschreibung der Situation somalischer Flüchtlinge – das Buch spricht die großen Herausforderungen Somalias an, aber in einem Stil, der trotz allem Neugier und Faszination für das Land und seine viel geprüfte Bevölkerung hervorruft.
Richard Solder

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