Teil des Geschäfts

Mit seinem „Schwarzbuch WWF“ legt sich der mehrfach ausgezeichnete deutsche Journalist Willfried Huismann mit einer der größten internationalen Naturschutzorganisationen an. Mit ihm sprach Südwind-Redakteurin Nora Holzmann.

Willfried Huismann

Südwind-Magazin: Wieso haben Sie sich entschieden, ein Buch über den WWF zu schreiben? Es gibt doch wohl vieles, das mehr Schaden auf der Welt anrichtet.
Willfried Huismann:
Weil es eine Geschichte ist, die noch nicht erzählt wurde. Der WWF unterstützt so massiv wie nie zuvor die industrielle Landwirtschaft und die Energiekonzerne, vor allem bei deren Interesse an der so genannten Bio-Energie aus Pflanzen. Die Menschen in Südamerika, in Asien und in Afrika zahlen einen sehr hohen Preis dafür. Der Natur wird der Rest gegeben.

Der WWF argumentiert, man müsse Bündnisse mit den Konzernen eingehen, um letztendlich Veränderungen zu bewirken. Können Sie dieser Argumentation etwas abgewinnen?
Theoretisch ja. Wenn man auf gleicher Augenhöhe verhandelt und unabhängig bleibt, dann kann man mit Dialog etwas erreichen. Aber der WWF versucht das nicht ernsthaft. An den Runden Tischen, die der WWF gegründet hat, zu Soja, zu Palmöl oder zu Staudämmen, sitzt er meist alleine mit den großen Konzernen, die die halbe Welt wirtschaftlich beherrschen.  Man kann nicht behaupten, dass er nur im Ansatz ökologische Standards durchgesetzt hätte. Im Gegenteil, die Niedrigststandards der Konzerne werden durch den WWF in der Öffentlichkeit legitimiert. Dazu braucht die Industrie den WWF, und dazu bezahlt sie den WWF.

Ist der WWF wirklich nicht mehr als ein Marketingunternehmen für Großkonzerne? Tut er nicht auch Gutes?
Er tut auch Gutes, aber wenn es ums Geld geht, tut er eher Schlechtes. Die guten Leute im WWF werden oft von der praktischen Politik ihrer eigenen Organisation mit in den Abgrund gerissen. Viele Menschen im WWF in Europa sind zum Beispiel gegen die industrielle Gentechnik in der Landwirtschaft. Aber in der Praxis kollaboriert der WWF mit Monsanto und hilft in Brüssel mit, dass dessen gentechnisch verändertes Soja in Riesenmengen jetzt auch in Europa als so genannte „regenerative Energie“ verkauft werden darf.

Der WWF ging wegen Ihres Buches vor Gericht. Nun haben Sie sich miteinander in einem außergerichtlichen Vergleich geeinigt. Wie das?
Wir sind einer Empfehlung des Gerichts gefolgt, das gesagt hat, in den Hauptkritikpunkten würde es das Buch nicht verbieten, aber einige Punkte müssten geändert werden.

Zum Beispiel die Aussage, dass der WWF erst 2011 von der Unterstützung der Energie aus Atomkraft Abstand genommen habe. Das war ein Fehler, das geschah schon 2002. Also solche eher rudimentären Fehler gab es durchaus, und die hätte ich sowieso korrigieren müssen. Der WWF hat monatelang jeden Satz zehn Mal umgedreht, um zu sehen, wo man klagen könnte. Der große Vorteil ist, dass nun endlich Rechtssicherheit herrscht, auch für den Buchhandel, auf den der WWF einen enormen Druck ausgeübt hat.

Ändert sich damit etwas an der Kernaussage des Buches?
Meiner Ansicht nach ändert sich nichts an der Kernaussage: Dass der WWF so eng mit dem Energie- und Agrarbusiness kooperiert, dass er eigentlich schon ein Teil des Geschäfts mit den letzten natürlichen Ressourcen der Erde geworden ist.

Das Vertrauen in den Panda ist erschüttert, zumindest bei denen die Ihren Film gesehen oder Ihr Buch gelesen haben. Sollte man NGOs und Gütesiegeln generell misstrauen?
Ich würde grundsätzlich zur Skepsis raten. Aber ich muss auch sagen, dass ich bei meinen Recherchen sehr mutige und tolle Umweltschützer und -schützerinnen kennen gelernt habe. Die Naturschutzaktivisten in Indonesien kämpfen gegen die Verwandlung von Land in Palmölplantagen. Sie sehen den WWF als Gegner, der auf der anderen Seite der Front steht. Friends of the Earth und Greenpeace sind aus dem Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl ausgetreten, weil sie sagen, das ist Etikettenschwindel. Man muss auch bereit sein, Widerstand zu leisten. Ohne Widerstand gibt es keine erfolgreiche Naturschutzbewegung.

Was ist Ihr nächstes Projekt?
Ich schreibe ein Drehbuch für einen „Tatort“. In dem ich alles behaupten kann, ohne es beweisen oder einen Prozess befürchten zu müssen.

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