Werner Leiss hört sich um

Tradition und Innovation

MusikerInnen aus Italien, Albanien und Bulgarien erforschen mit neuen Produktionen ihr kulturelles Erbe.

Ricardo Tesi ist ein Meister auf dem Organetto, dem diatonischen Knopfakkordeon. Ausgehend von der Erforschung des Liscio, des Walzers seiner Heimat Toskana, und der musikalischen Traditionen Süditaliens fließen ebenso traditionelle Klänge des Balkans, Madagaskars, Afrikas oder Indiens in die Werke des Ethnomusikologen ein. Zur Besetzung des neuen Albums „Argento“ (Visage) mit seiner Formation „Banditaliana“, gehören weiterhin Claudio Carboni am Saxophon, Maurizio Geri an der Gitarre sowie Gigi Biolcati an Perkussion und Gigitarra (eine Mischung zwischen Dulcimer und E-Gitarre, die mit einem Sushi-Stäbchen gespielt wird). Etliche Gäste wie der baskische Musiker Kepa Junkera an der Txalaparta sind mit von der Partie.

In gewohnter Manier wechseln instrumentale Stücke und Lieder. Ein bewährtes Ineinandergreifen von Tradition und Innovation.

Geschichten aus Bulgarien. Eugenia Georgieva ist in Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens, aufgewachsen. Aber die Ursprünge ihres Interesses für die Volksmusik ihres Landes liegen in Blazhievo, dem Heimatdorf ihrer Mutter, wo sie als Kind auf Festivals auftrat und dem diaphonischen Gesang der alten Shoppe-Frauen begegnete. Nach ihrem Umzug nach London setzte Eugenia Georgieva ihre Erkundung des bulgarischen Volksliedes mit den A-cappella-Gesangsgruppen Perunika Trio und Yantra fort. Mit dem neuen Album „Po Dum Mome/A Girl On The Road“ (Riverboat) dringt die Sängerin nun noch tiefer in die Musik ihrer Heimat ein. Sie erzählt Geschichten von Revolutionären, von mythischen drachenähnlichen Wesen, oder von einem Mädchen, das ihre Ängste einem Rosenbusch anvertraut.

Instrumentiert wird mit regionalen traditionellen Instrumenten wie Kaval, Gadulka, Tambura und auch Kontrabass.

Liebe, Verlust und Aufbruch. Elina Duni ist in Tirana geboren und im Alter von elf Jahren in die Schweiz gezogen. Die zwei bisher mit ihrem jazzigen Quartett aufgenommenen Alben wurden hochgelobt. Diesmal jedoch begleitet sie sich selbst auf dem Klavier, mit Gitarre und einer Rahmentrommel. In gleich neun Sprachen interpretiert sie auf ihrem Album „Partir“ (ECM) Lieder über Liebe, Verlust und Aufbruch. Darunter sind traditionelle Volkslieder aus Albanien, Kosovo, Armenien und Mazedonien, aber auch der Schweiz und dem maurischen Andalusien. Dazu kommt ein Chanson von Jacques Brel, eine Komposition des italienischen Cantautore Domenico Modugno und ein Fado („Meu Amor“), der durch die legendäre Amália Rodrigues Popularität erlangt hat. Alle diese Stücke interpretiert Elina Duni in intimer Atmosphäre auf ihre ganz spezielle, eindrucksvolle Weise mit einer klaren, eindringlichen, unverwechselbar ausdrucksstarken Stimme.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des -„Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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